Erstellt am 02. August 2016, 07:03

von Thomas Jorda

Gute Gelegenheit, die Meinung zu ändern. Thomas Jorda über das Dilemma der Operette, als allzu seicht verschrieen zu sein. Grafenegg versucht eine eindrucksvolle Imagepolitur.

Zugegeben, Operette ist ein Minderheiten programm. Mehr denn je steht sie im Ruf, allzu seicht und kitschig zu sein.

Woher dieser Imageverlust rührt, darüber kann man streiten. Noch in den Dreißigerjahren war sie beliebt, wurde gerne besucht. Und galt als äußerst modern und schick.

Dann kam der Krieg, das Musical begann in den USA seinen Siegeszug und die unsäglich schlechten Verfilmungen in den Fünfziger- und Sechzigerjahren lassen die Operette bis heute äußerst schlecht aussehen. Da helfen auch manche ausgezeichnete Produktionen zwischen Baden, Langenlois und Bad Ischl nichts. Ist der gute Ruf lädiert …

Gerade deshalb ist die konzertante Aufführung von Franz Lehárs „Die lustige Witwe“ am 13. August im Wolkenturm von Grafenegg so wichtig. Hier finden sich beste Solisten – u. a. Dorothea Röschmann, Daniel Schmutzhard, und Daniela Fally – dazu der Arnold Schoenberg Chor und die Tonkünstler unter ihrem Chefdirigenten Yutaka Sado ein, um zu zeigen, wie sehr die Operette oft unter ihrem Wert geschlagen wird. Wenn sich sogar das High-Class-Festival Grafenegg der Operette annimmt, kann sie wohl so schlecht nicht sein. Für alle, die an der Operette zweifeln, jedenfalls eine ausgezeichnete Chance, sich eines Besseren belehren zu lassen!