Erstellt am 23. August 2016, 05:20

von Bernhard Schiesser

Hysterie statt längst fälliger Reformen. Bernhard Schiesser über die Nachwehen der Olympischen Spiele.

Da tanzten sie dann doch noch in ihren schicken Lederhosen. Die Riege an ÖOC-Funktionären rund um Präsident Karl Stoss feierten die Bronzemedaille des Segelduos Thomas Zajac und Tanja Frank euphorisch. Fast schon gekünstelt ausgelassen wurde Österreichs einzige Olympiamedaille gewürdigt. Wir sind eine Segelnation! Wir werden’s überleben …

Partycrasher war ausgerechnet Projekt-Rio-Leiter Peter Schröcksnadel. Der Tiroler Wintersportwunderwuzzi wurde quasi aus seinem Sommerschlaf gerissen, um die Sportnation zu retten. „Schröcksi“ ist aber anderes gewohnt als eine einzige Medaille. Bekannt markig kanzelte er jene Sportler ab, die nicht ganz so top unterwegs waren.

Überzogene Euphorie und Katzenjammer – was von Stoss, Schröcksnadel & Co. vorgelebt wurde, (über)zeichneten manche Medien dankbar nach. Übrig blieb eine Olympia-Hysterie „made in Austria“. Dabei wären gerade jetzt Realismus und eine nüchterne Analyse gefragt. Erfolge im Spitzensport sind wichtig, weil sie Vorbildwirkung auf den Breitensport haben. Fördermittel sind demnach gerechtfertigt, werden aber zu ineffizient eingesetzt. Das gehört diskutiert, entstaubt und neu strukturiert. So schwer ist das nicht.