Erstellt am 11. Oktober 2016, 06:08

von Thomas Jorda

Wo man singt, da lass dich ruhig nieder .... Thomas Jorda über die Freude am Chorsingen, das immer mehr in Mode kommt. Wie nicht zuletzt das Projekt der Neunten Beethovens zeigt.

Chorsingen scheint in Mode zu kommen. Falls es jemals aus der Mode war. Jedenfalls zeitigt das Projekt, Ludwig van Beethovens Neunte Symphonie im November im Festspielhaus St. Pölten aufzuführen, äußert regen Zuspruch vieler Chöre. Wie davor schon in Grafenegg.

In den meisten Chören finden sich keine Profis, sondern Laien. Das klingt abwertend, ist es aber nicht. Ohne die legendäre Wiederaufführung der Matthäus-Passion von Johann Sebastian Bach – erstmals nach dessen Tod – wäre das Werk wohl heute noch vergessen. Und wer hat am 11. März 1829 gesungen? Der Laienchor der Sing-Akademie Berlin unter Felix Mendelssohn Bartholdy.

Leicht machen es sich die meisten Laienchöre nicht. Sie opfern viel Freizeit und Herzblut und müssen oft auch – im Sinn der guten Sachen – Demut besitzen. Wer jemals schon unter Erwin Ortner gesungen hat, dem bedeutendsten Chorleiter des Landes, weiß davon ein Lied zu singen.

Chorsingen ermöglicht den aktiven Zugang zur Musik auch ohne Instrument. Singen kann jeder; mit Mühe sogar richtig. Vor allem: Wer zwei Stunden im Chor gesungen hat, dessen Herz ist rein, dessen Gedanken frisch, dessen Körper entspannt. Nicht ohne Grund heißt es: Wo man singt, da lass dich ruhig nieder. Böse Menschen haben keine Lieder.