Erstellt am 19. Juli 2016, 09:37

von Thomas Jorda

Zur Nachahmung dringend empfohlen. Thomas Jorda über das Wiener Belvedere, dessen Chefin im Zentrum übler Gerüchte steht – und was man dazu in Niederösterreich lernen kann.

In der Haut von Agnes Husslein möchte in diesen Tagen keiner stecken. Die Direktorin des Wiener Belvedere sei angeblich zu locker mit den Spesen gewesen, behauptet ein Prüfbericht. Und das bei einem Grundgehalt, das den Bundeskanzler schlecht ausschauen lässt. Die Folge ist ein Shitstorm. In den diversen Internetforen wird kübelweise Spott, Häme und Aggression über sie gegossen.

Doch es geht nicht um Husslein allein. Auch das Kuratorium, das mit der Kontrolle der wirtschaftlichen Gebarung des Belvedere beauftragt ist, wird hart kritisiert. Möglicherweise hat es zu lange zugeschaut. Man weiß noch nichts Genaues, aber allzu sehr drängt sich der Vergleich mit dem Burgtheater-Skandal auf. Auch da hatten die Kontrollore einen zu langen Atem.

Das System der bundeseigenen Kunstbetriebe ist verbesserungswürdig. Was auch daran zu erkennen ist, dass man immer öfter den Direktoren einen kaufmännischen Geschäftsführer zur Seite stellt. Ganz nach niederösterreichischem Vorbild, wo in den größten Kunstbetrieben jeder künstlerische Leiter gleich zwei Geschäftsführer mitbekommt, die allzu kreativen Umgang mit den Finanzen verhindern sollen. Bis jetzt funktioniert das System skandalfrei. Zur Nachahmung ist es nicht nur fürs Belvedere dringend empfohlen.