Erstellt am 22. März 2016, 06:14

von Thomas Jorda

Kunst muss nicht immer allen gefallen. Thomas Jorda über das aktuelle Viertelfestival, das unter dem Motto „Fliehkraft“ steht, aber damit Flucht und Migration nicht meint.

Der Psychologenschmäh ist uralt: Wer anein Werkzeug denken soll, dem kommt ein Hammer in den Sinn, bei einer Farbe ist es mit großer Sicherheit Rot. Und woran denken wir, wenn wir das Wort „Fliehkraft“ hören?

Natürlich an das physikalische Phänomen, wohl aber auch an die Migration von Schutzsuchenden, die derzeit Europa in gröbere Schwierigkeiten bringt.

Aber das aktuelle Viertelfestival denkt nicht daran, sagen die Verantwortlichen, sondern an die Phänomene von Stadt- und Landflucht. „Das Motto Fliehkraft stellt die Frage nach den Kräften, die zwischen der Peripherie und den Ballungsräumen wirksam sind“, heißt es im Vorwort der Programmbroschüre.

Stimmt auch. Ist aber irgendwie mutlos, erst das Motto „Fliehkraft“ auszugeben und dann das zentrale gesellschaftspolitische und soziale Problem, eben die Flüchtlingsströme, zu negieren.

Viele Kunstschaffende haben das Festivalmotto aber ganz anders – richtig? – verstanden. Da geht es bei zahlreichen Projekten um Asylanten, Flüchtlinge, Migrantenschicksale und die Widerstände in der heimischen Bevölkerung. Da wird im Publikum wohl manches nicht auf ungeteilte Zustimmung treffen, aber es nicht Aufgabe der Kunst, allen zu gefallen. Das sei auch dem Viertelfestival gesagt.