Erstellt am 23. Februar 2016, 06:34

von Thomas Jorda

Längere Spielzeit. Thomas Jorda über das neue Betriebsführungskonzept des Landestheaters St. Pölten, das eine Koproduktion mit der Sommerarena Baden verhindert.

Mit dem Spielplan der Sommerarena Baden, die heuer 110 Jahre alt wird, haben sich in der Winterzeit noch wenige potenzielle Kunden beschäftigt. Doch wer es getan hat, der hatte ein Aha-Erlebnis. Was, diesmal gibt’s keine Koproduktion mit dem Landestheater St. Pölten? Jawohl, Herrschaften, Baden kämpft in diesem Sommer ganz allein; mit zwei Operetten („Frasquita“ und „Das Dreimäderlhaus“) einem Musical („Jekyll & Hyde“) und einer Ballettproduktion („Das Dschungelbuch“).

Nun ist es ja nicht so, dass allzu viele bittere Tränen fließen, wenn das Landestheater im Sommer wegbleibt. Das eher auf konservativen Kuschelkurs abfahrende Badener Stammpublikum ist mit zeitgenössischen Inszenierungen selten glücklich. Aber trotzdem stellen sich viele in Baden die Frage: Mögen sie uns nicht mehr, die Theaterleute aus St. Pölten?

Tatsächlich ist der Grund für das Fernbleiben des Landestheaters durchaus nachvollziehbar. Im Frühsommer dieses Jahres verlässt Bettina Hering das Haus, um zu den Salzburger Festspielen zu gehen. Ihr folgt die 48-jährige Mistelbacherin Marie Rötzer.

Neue Leitung heißt natürlich nicht nur neues Glück, sondern auch ein neues Ensemble, das vehement umgebaut wird. Und ein neues Betriebsführungskonzept. Was sich genau ändern wird? Der Übergriff des Landestheaters mit Kinder- und Jugendproduktionen auf die Bühne im Hof in St. Pölten bedeutet jedenfalls eine längere Spielzeit für die Belegschaft.

Das ist einerseits gut für das Ensemble, das dadurch rund um das Jahr beschäftigt ist und nicht dazwischen stempeln gehen muss. Und das ist auf der anderen Seite schlecht für Baden, weil für die Sommerproduktion keine Zeit über bleibt. Dafür hat die Arena jetzt die einmalige Möglichkeit zu zeigen, dass man den Sommer auch allein bewältigen kann. Wie in den mehr als hundert Jahren bisher.