Erstellt am 09. August 2016, 06:49

von Walter Fahrnberger

Das bekannte Duell mit veränderten Vorzeichen. Walter Fahrnberger über den Wahlkampf zur Wiederholung der Bundespräsidenten- Stichwahl, der inoffiziell bereits begonnen hat.

In gut sieben Wochen ist es so weit. Nach der Wahlanfechtung durch die FPÖ werden Herr und Frau Österreicher am 2. Oktober zur Wiederholung der Bundespräsidenten-Stichwahl gebeten. Offiziell soll der Wahlkampfauftakt bekanntlich erst einen Monat vor dem Urnengang starten. Doch schon jetzt betreiben Alexander Van der Bellen und Norbert Hofer eifrig Werbung in eigener Sache.

Der von den Grünen unterstützte Kandidat Van der Bellen hat in der Vorwoche ein Dutzend Journalisten zu einer Wanderung in seine Tiroler Heimat ins Kaunertal geladen und sich so mediale Omnipräsenz gesichert. FPÖ-Kandidat Hofer outete sich als Pokémon-Jäger und ging damit vor allem bei den jüngeren Wählern auf Stimmenfang.

Welcher der beiden damit den großen Frust der Wähler am besten lindern kann, die im Herbst bereits zum dritten Mal für das Bundespräsidentenamt abstimmen, hängt aber von anderen Faktoren ab.

Denn die Vorzeichen haben sich seit der Stichwahl am 22. Mai wesentlich verändert. So hat EU-Kritiker Hofer seine Haltung zu Europa nach dem EU-Austrittsreferendum der Briten schleunigst „angepasst“. Kein Wunder. Schließlich steuert deren Wirtschaft nach dem Brexit auf den stärksten Konjunktureinbruch seit sieben Jahren zu.

Van der Bellen wiederum musste nach den jüngsten Entwicklungen seine positive Haltung zu EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei revidieren. Als Bundeskanzler Christian Kern den sofortigen Stopp der Gespräche thematisierte, brachte das dem bekennenden Unterstützer von Van der Bellen sogar Applaus der FPÖ ein. Mit ihrer Haltung in der Flüchtlingsfrage fühlen sich die Freiheitlichen rund um Norbert Hofer nach den jüngsten Anschlägen in Deutschland ohnehin gestärkt. Auch weil es in der Schockstarre bei der öffentlichen Diskussion misslingt, die Asylwerber von den IS-Terroristen zu differenzieren.

Ob Alexander Van der Bellen seinen knappen Sieg bei der letzten Stichwahl verteidigen kann, oder Norbert Hofer neuer Bundespräsident wird, hängt aber vor allem vom Wahlkampfstil der beiden in den nächsten Wochen ab. Wiederholt sich die teils niveaulose Gesprächskultur aus der „Vorrunde“, dann ist eine Niederlage schon vor dem Urnengang fixiert – und zwar jene für die Wahlbeteiligung.