Erstellt am 25. April 2017, 03:00

von Martin Gebhart

Der Mann, der NÖ ein neues Selbstbewusstsein gab. Martin Gebhart über die vielen Errungenschaften der Ära von Landeshauptmann Erwin Pröll.

Jetzt ist der Wechsel endgültig vollzogen, jetzt hat Johanna Mikl-Leitner ihre ersten Akzente als Landeshauptfrau gesetzt. Mit einer Klausur ihres VP-Regierungsteams, mit den ersten offiziellen Auftritten als neue Landeshauptfrau von Niederösterreich. Aber auch wenn in der so schnelllebigen Zeit der Blick immer sofort auf neue Entwicklungen, auf die Zukunft gerichtet ist, muss dennoch innegehalten werden, um die fast 25 Jahre von Erwin Pröll als Landeshauptmann einmal noch zu beleuchten. Weil in Niederösterreich eine große Ära zu Ende gegangen ist.

Erwin Pröll spricht immer wieder von einem politischen Mondfenster, das er genutzt hat. Das Ende des Eisernen Vorhangs, wodurch sich Niederösterreich plötzlich in der Mitte und nicht am Rande von Europa wiederfand. Aber es war nicht nur diese historische Wende, die Niederösterreich zu dem machte, was es heute ist. Es war vielmehr der Gestaltungswille von Erwin Pröll, nunmehr Landeshauptmann a.D. Er gab sich nicht damit zufrieden, dass es für Niederösterreichs Jugend nur Wien gab, wenn man eine universitäre Ausbildung anstrebte.

Er antwortete mit Fachhochschulen, der Donau-Universität und privaten Ausbildungsstätten. Er ließ Wissenschaftszentren wie MedAustron oder ISTA Klosterneuburg in Niederösterreich errichten. Auch wenn er dadurch für einige Wochen in das Visier der Wiener Elite geraten ist. Er setzte auf Kunst und Kultur – ebenfalls als Gegenpart zu Wien, sodass es schließlich sogar den ORF-Granden am Küniglberg schwer fiel, diese Entwicklungen zu ignorieren. Er ließ ein Straßennetz rund um Wien errichten, das nur noch daran leidet, dass das letzte Verbindungsstück in Wien nicht verwirklicht worden ist. Er schaffte es, Hunderte Regionen hinter Niederösterreich zu vereinen, um auf europäischer Ebene bei den Regionalförderungen mehr Gewicht zu haben.

Die Liste ist natürlich nicht vollständig. Aber sie zeigt, wie in der Ära von Erwin Pröll Niederösterreich zu einem modernen Bundesland geworden ist. Das dadurch vor allem eines auch erhalten hat: Das notwendige Selbstbewusstsein, um als Land rund um die Bundeshauptstadt Wien einen eigenen Weg zu gehen. Ein Selbstbewusstsein, das der Grund sein kann, warum sich manche Kreise in Wien über die Entwicklung in Niederösterreich so gar nicht freuen wollen und können.