Erstellt am 23. Januar 2018, 03:00

von Daniel Lohninger

Halb Europa blickt am Sonntag nach St. Pölten. Daniel Lohninger über eine Wahl, auf die trotz lauen Wahlkampfs alle Augen gerichtet sind.

Nicht nur ganz Österreich, auch halb Europa schaut am kommenden Sonntag nach Niederösterreich. Das Gedrängel der Journalisten, Fotografen und Kamera-Teams um die besten Plätze im Landhaus in St. Pölten war noch nie so groß wie diesmal. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Die Wahl ist der erste politische Stimmungstest seit der in Europa skeptisch beäugten türkis-blauen Regierungsbildung, die erste Landtagswahl in der Nach-Pröll-Ära im größten Bundesland Österreichs und der Start in ein Jahr, in dem auch noch die Kärntner, Tiroler und Salzburger über die Besetzung ihrer künftigen Landtage entscheiden. Als dann VP-Landesgeschäftsführer Bernhard Ebner die „Mutter aller Wahlkämpfe“ ausrief, schien alles für eine große politische Entscheidungsschlacht angerichtet.

Geworden sind daraus schließlich nur ein paar Scheingefechte – daran werden auch die letzten Tage des Wahlkampfes nichts mehr ändern. Schuld daran ist einerseits der kurze Wahlkampf, der kaum Zeit ließ, neue Themen zu platzieren. Andererseits fehlt die Wendestimmung im Land. Das macht es SPÖ, FPÖ, Grünen und NEOS schwer, im Match mit der übermächtigen und breit aufgestellten ÖVP auf sich aufmerksam zu machen. Zudem vermied die ÖVP diszipliniert den Fehler, die wenigen Angriffe der anderen Parteien zu kommentieren – und sorgte damit dafür, dass auch berechtigte Kritik unterging.

Entschieden scheint auch das Stellvertreter-Match um Platz zwei: Glaubt man den Umfragen, ist die SPÖ klar außerhalb der Reichweite der FPÖ. Daran änderte die Spaß-Kampagne von Franz Schnabl ebenso wenig wie der blasse blaue Wahlkampf, der trotz mancher Tiefschläge nie richtig Fahrt aufnahm. Bleibt das Match der Kleinen: Hier beflegelten einander Helga Krismer und Indra Collini zwar zuletzt beim Runden Tisch der NÖN ordentlich, inhaltlich hatten aber sowohl Grüne als auch NEOS nicht viel mehr zu bieten als die Forderung nach mehr Kontrolle und Transparenz. Beides ist wichtig, für einen Wahlerfolg aber sicher zu wenig.

Gelingt in den letzten Wahlkampf-Tagen nicht irgendeiner Partei ein spektakulärer Coup, wird die Überraschung am Wahltag ausbleiben – und Niederösterreich bereits am Montag aus dem Fokus der nationalen und internationalen Medienwelt verschwunden sein.