Erstellt am 23. August 2016, 05:17

von Martin Gebhart

Warum MedAustron für NÖ so wichtig ist …. Martin Gebhart über das Krebsforschungs- und Krebs- therapiezentrum in Wiener Neustadt.

Für Niederösterreich ist es ein Meilenstein, der da vergangenen Freitag in Wiener Neustadt gesetzt worden ist. Im Krebstherapie- und Krebsforschungszentrum MedAustron wurde ein Bestrahlungsraum offiziell der Wissenschaft übergeben. Im November soll dann der Ionenstrahl aus dem Teilchenbeschleuniger auch den ersten Krebspatienten zugutekommen.

Für all jene, die dieses Projekt von Beginn an verfolgt haben, wirkt es unglaublich, fast unwirklich, dass nun tatsächlich mit der therapeutischen und wissenschaftlichen Arbeit begonnen werden kann. Vor allem, weil nur wenige daran geglaubt hatten, was sich einige Wissenschaftler und Politiker zuerst in Wiener Neustadt und dann im Land in den Kopf gesetzt hatten. Zu Beginn musste der damalige VP-Bundeskanzler Wolfgang Schüssel fast schon gezwungen werden, nach Wiener Neustadt zu fahren und sich dem Projekt zu stellen.

Dann verhinderte nur ein Machtwort von Landeshauptmann Erwin Pröll und seiner NÖ Volkspartei, dass der damalige VP-Wissenschaftsminister und heutige EU-Kommissar Johannes Hahn davon absah, die Millionen-Gelder für das Schweizer Forschungszentrum CERN zu streichen. Das hätte bedeutet, dass MedAustron nicht verwirklicht werden kann, weil die Kooperation mit CERN für das Projekt lebensnotwendig war und ist. Natürlich gab es auch im wissenschaftlichen Bereich immer wieder Gegner dieses Projekts. Dennoch steht es jetzt da und nimmt seinen Betrieb auf. Zwei Professuren der Medizinuniversität und der Technischen Universität sind bereits angesiedelt, um sich mit der Strahlenphysik auseinanderszusetzen.

MedAustron ist eines der vielen Zeichen des eigenständigen, selbstbewussten Wegs, den Niederösterreich gegangen ist, als man sich nicht mehr über die Bundeshauptstadt Wien definierte. IST Austria in Klosterneuburg, die „Elite-Universität“, ist genauso ein Zeichen dafür. Als da die Entscheidung für Klosterneuburg gefallen war, gab es fast schon irrationale Häme und Kritik aus Wien, weil man nicht akzeptieren wollte, dass so eine Forschungseinrichtung nicht in der Bundeshauptstadt angesiedelt ist. Mittlerweile läuft der Betrieb erfolgreich und derartige Diskussionen gibt es nicht mehr. Was NÖ noch mehr bestärken sollte, seinen eigenständigen und dadurch oft auch schwierigen Weg weiter zu gehen.