Erstellt am 17. August 2016, 06:12

von Walter Fahrnberger

Wie das Asylthema die Bevölkerung beschäftigt. Walter Fahrnberger über die Flüchtlingsproblematik, die in den vergangenen zwölf Monaten einiges im Land verändert hat.

Die Bilder haben sich eingeprägt. Vor einem Jahr ist die Asylproblematik im Land angekommen. Tausende Flüchtlinge machten sich täglich auf den Weg über die Grenze (vor allem) in Richtung Deutschland. In Österreich war die öffentliche Ordnung nicht mehr gegeben. Straßen und Zugverbindungen wurden aufgrund der Völkerwanderung lahmgelegt. Bahnhöfe dienten als Notquartiere. Und das Erstaufnahmezentrum Traiskirchen platzte mit über 4.000 Flüchtlingen aus allen Nähten. Viele von ihnen mussten unter freiem Himmel nächtigen. Als negativer Höhepunkt schockten 71 Tote in einem Schlepper-Lkw auf der Ostautobahn das ganze Land.

Seither hat die Asylproblematik sowohl Politik als auch Bevölkerung in vielseitiger Form beschäftigt. Die anfängliche Willkommenskultur gipfelte in einer Welle der Hilfsbereitschaft. Unzählige Freiwillige betreuten Zigtausende Asylwerber in den rasch eingerichteten Transitquartieren. Immer mehr Interessengemeinschaften wie „Willkommen Mensch“ haben sich formiert, um die Flüchtlinge in der Folge auch bei der Integration in Österreich zu unterstützen. Doch gewaltsame Übergriffe von Flüchtlingen gegen Frauen in Köln zu Silvester sowie Vergehen diverser Neuankömmlinge hierzulande haben ihre Spuren hinterlassen. Das Land ist gespalten.

Obwohl Flüchtlingshilfe vielerorts nach wie vor gelebt wird, ist die Stimmung gegen Asylwerber lauter geworden. Die Österreicher fühlen sich viel unsicherer als noch vor zwei Jahren. Das hat viel mit der Flüchtlingskrise zu tun. Zudem fürchtet jeder Zweite um seinen Arbeitsplatz. Für Jobsuchende sind anerkannte Flüchtlinge zusätzliche Konkurrenz. Sie haben vollen Zugang zum Arbeitsmarkt. Gepaart mit der Diskussion um die Mindestsicherung wird dadurch Neid geschürt. Daran ändert auch der härtere Kurs der Bundesregierung mit Asylobergrenze, gesicherten Grenzübergängen und geplanter Notverordnung nichts.

Jetzt muss der Fokus auf Integration der Asylberechtigten gelegt werden. Das geht nur über einen Job, gepaart mit gerechten Sozialleistungen für alle. Denn das staatliche System wissen auch Inländer zu schätzen. So hat fast jeder zehnte 20- bis 24-Jährige in Österreich weder einen Arbeitsplatz noch befindet er sich in einer Fortbildung. Auch damit muss sich die Politik in Zukunft beschäftigen.