Erstellt am 18. Juli 2017, 04:51

von Martin Gebhart

Zwischen Kurz-Kurs und eigener Bauernbund-Linie. Martin Gebhart über den künftigen Bauernbundobmann Georg Strasser.

Dass Georg Strasser neuer Obmann des österreichischen Bauernbundes wird, obwohl er Niederösterreicher ist, spricht ganz klar für ihn. Denn bei dieser Bestellung hat diese Herkunft eher geschadet, als dass sie ihm Vorteile verschafft hätte. Der Grund: Mit Hermann Schultes stellt Niederösterreich bereits den Präsidenten der Landwirtschaftskammer. Mit Ex-Landesrat Josef Plank auch noch dessen Generalsekretär. Und mit Georg Strasser steht nun der dritte Niederösterreicher an der Spitze einer großen bäuerlichen Organisation.

Als Person erfüllt er allerdings jene Voraussetzungen, die ihn speziell in den westlichen Bundesländern wählbar gemacht haben. Er ist ein Bauernvertreter, der aus seinen Wurzeln heraus als Milch- und Waldbauer die Sorgen und Nöte der kleinen Landwirte kennt. Was ihm auch nicht geschadet hat: Die gute Verbindung zu ÖVP-Bundesparteiobmann und Außenminister Sebastian Kurz. Das ist nicht nur sein persönlicher Verdienst, da hat auch der NÖ Bauernbund innerparteilich die entscheidenden Weichen gestellt. Sebastian Kurz war bereits Teilnehmer bei der Mariazell-Wallfahrt des NÖ Bauernbundes, als ihn viele noch gar nicht so richtig kannten. Im Nationalratswahlkampf 2013 führte just der NÖ Bauernbund einen Vorzugsstimmenwahlkampf für den damaligen Integrationsstaatssekretär Kurz, was damals innerparteilich ganz und gar nicht überall gerne gesehen war. Dennoch wurde die Aktion durchgezogen.

Deswegen werden sich Georg Strasser und Sebastian Kurz politisch gut verstehen. Ein Punkt, bei dem Strasser allerdings aufpassen muss. Es wird künftig nicht jeder Tag so sein wie der Bundesparteitag in Linz, wo die Vertreter aller Bünde dem neuen Bundesparteiobmann Kurz euphorisch zugejubelt haben. Es werden Tage kommen, wo nicht mehr unumschränkt auf die Strahlkraft des jungen Außenministers gesetzt und vertraut wird. Wo plötzlich in den Bünden wieder jene Kräfte groß werden wollen, denen die neuen Rechte des Bundesparteiobmanns schon jetzt ein Dorn im Auge sind. Gerade im Bauernbund ist man dafür auch anfällig.

Dann muss Georg Strasser beweisen, dass er seinen „modernen Weg im Bauernbund“, der ihm von einigen Seiten bereits jetzt attestiert wird, auch wirklich weitergehen kann. Und dieser nicht nur auf die Person Sebastian Kurz aufgebaut ist.