Erstellt am 03. Dezember 2015, 05:13

von Probst Maximilian Fürnsinn

Mehr Religion!. Propst Maximilian Fürnsinn über die Anschläge von Paris und die Religions-Debatten.

Mit Allah auf den Lippen haben in Paris radikalisierte junge Männer unschuldige Menschen massakriert: über 130 Tote, 300 Verletzte – Angst und Schrecken überall.

Diese Terroranschläge von Paris lösen wiederum eine heftige Diskussion über Religion aus. Derzeit ist man noch mit der Aufarbeitung der Terrorszene befasst – aber die Religionsdebatte wird folgen: Sind solche Anschläge religiös motiviert? Werden im Namen von Religion solche Grausamkeiten verübt? Wäre es dann nicht besser, ohne Religion zu leben, damit dieses sinnlose Töten ausbleibt?

Der Terror in Europa, aber auch der Dschihadismus des Islamischen Staates, haben keine Religion. Diese brutalen Taten haben viele Wurzeln. Einerseits haben Islamisten oft das Gefühl, an den Rand gedrängt und aus der Geschichte ausgeschlossen zu sein; sie sind voll Ekel über eine vergnügungssüchtige, westliche Gesellschaft und haben einen Hass auf alle Bevorzugten, weil man sich selbst sozial deklassiert fühlt. Man sucht seine Rolle in der Gewalt zu finden. Auch die Ideologie des Islamischen Staates folgt nicht so sehr einer Religion, sondern ist eine Ideologie der Gleichschaltung. Ideologisch versteht der IS den Koran wortwörtlich und meint eine Art „Ur-Islam“ wie zu Zeiten des Propheten leben zu müssen.

Die kulturellen und spirituellen Reichtümer von eineinhalb Jahrtausenden zerstören sie – respektlos gegenüber jeder Religion (auch der islamischen). Am Ende wird es ihnen dämmern, dass sie mit ihrer Ideologie Religion vernichtet haben. Auch Jugendliche aus unserem Land haben sich dem IS angeschlossen. Paris hat gezeigt, dass es auch in unserer Mitte solche radikalen Gruppen gibt. Der Ruf nach Prävention wird gerade im Blick auf diese jungen Menschen lauter. Da braucht es sicher soziale Konzepte, mehr berufliche Chancen und mehr menschliche Bildung. In dieser Debatte aber fehlt mir der Hinweis auf religiöse Bildung und Formung. Denn ohne eine religiöse Grundhaltung, Einstellung und Praxis wird man sich schwer von fundamentalistischen Ideologien abgrenzen können.

Wir brauchen die Unterscheidung der Geister. Denn es ist die Versuchung aller Fanatiker, im Namen des Guten das Böse physisch auszurotten. Wir haben nicht zu viel Religion, sondern zu wenig. Mütter, Väter, Lehrer, Politiker … stellt euch einmal dieser Frage ganz ehrlich: Bleiben wir nicht den Kindern das entscheidende religiöse Fundament schuldig?