Erstellt am 23. Dezember 2015, 13:18

von Petrus Pilsinger

Menschwerdung – was Gott sich für uns antut. Abt Petrus Pilsinger OSB (Stift Seitenstetten) über die Ankunft Christi als „Willkommen Mensch“.

Beim Chorgebet wird aus dem Buch von Bischof Franz Kamphaus „Mach’s wie Gott, werde Mensch!“ vorgelesen. Dieser Buchtitel bringt das Festgeheimnis von Weihnachten sehr schön auf den Punkt: Es ist das Fest der Menschwerdung Gottes!

Ja, er tut sich das an! Er erlebt, erleidet alles, was Menschen oft mitmachen müssen. Ablehnung – niemand will Josef und Maria bei der Herbergsuche aufnehmen. Armut – im Stall bei den Tieren kommt er auf die Welt – nicht wirklich idyllisch. Verfolgung – Herodes hat es auf ihn abgesehen. Flucht – der nächtliche Aufbruch nach Ägypten rettet ihn vor dem Kindermord in Betlehem.

Als Erwachsener heilt er viele, er fasziniert und begeistert durch eine beeindruckende Verkündigung, er wirkt Wunder. Aber er wagt auch manches, was politisch und religiös nicht korrekt ist: Er vergibt einer Ehebrecherin, die auf frischer Tat ertappt worden ist. Er kehrt bei Sündern ein und isst mit ihnen. Er heilt trotz des Verbotes an einem Sabbat. Er schmeißt die Händler und Geldwechsler aus dem Tempel hinaus. Er sagt, was er denkt!

Das hat bittere Folgen. Er gerät in das Visier der staatlichen und religiösen Autoritäten. Einer aus seinem Jüngerkreis wird ihn verraten, einer seiner engsten Freunde wird ihn verleugnen. Schließlich wird ihm der Prozess gemacht, er wird wie ein Schwerverbrecher auf qualvollste Weise hingerichtet. Das alles hätte sich Gott ersparen können, wäre er nicht Mensch geworden! Was für ein Gott!

Wir haben einen Gott, der Menschen im Elend dieser Welt nicht allein lässt, der Menschlichkeit vorlebt! Je mehr wir ganz und gar in seinem Sinn menschlich werden, desto mehr werden wir ihm ähnlich. Wer zu Weihnachten die Ankunft Christi feiert, feiert auch „Willkommen Mensch“!