Erstellt am 25. Februar 2016, 05:19

von Alt-Abt Burkhard Ellegast

Mögen Sie Wein?. Alt-Abt Burkhard Ellegast (Stift Melk) über Fastenzeit als Anlass, das rechte Maß zu finden.

Es gibt Menschen, die keinen Wein kennen: Kinder, auch manche Erwachsene, die keine Beziehung zu ihm gefunden haben, oder solche, die aus Prinzip gegen jeden Alkohol sind, die Antialkoholiker.

Es gibt aber auch Menschen, die den Wein sehr wohl kennen, ihm aber im Übermaß zusprechen, richtig abhängig werden, die Alkoholiker. Da ruiniert der Wein den Menschen.

An sich ist der Wein eine Gottesgabe. Im Schöpfungspsalm heißt es: Gott lässt Pflanzen wachsen, die der Mensch anbaut, damit er Brot gewinnt von der Erde, und Wein, der das Herz des Menschen erfreut (Ps. 104, 14 f). Der Wein bringt Lebensfreude, kann Mut machen, trösten. Paulus rät seinem Lieblingsjünger Timotheus: „ Trink nicht nur Wasser, sondern nimm auch etwas Wein mit Rücksicht auf deinen Magen und deine häufigen Krankheiten!“ (1 Tim.5, 23). Christus nahm bewusst neben Brot, wo es verständlich ist, bei der Einsetzung der Eucharistie auch Wein. Das Zeichen von Brot und Wein soll wohl den ganzen Menschen ansprechen.

Der hl. Benedikt schrieb in seiner Regel ein eigenes Kapitel über das Maß des Getränkes (RB 40): Mit einer gewissen Ängstlichkeit gehe er daran, das Maß der Nahrung für andere zu regeln. Jeder habe seine Gnadengabe von Gott, der eine so, der andere anders. Doch mit Rücksicht auf die Bedürfnisse der Schwachen meine er, dass für jeden täglich eine Hemina Wein genüge. Zum Glück kennen wir das Maß der Hemina nicht. Ungünstige Ortsverhältnisse, die Arbeit oder die Sommerhitze könnten unter Umständen mehr erfordern. Die Entscheidung darüber solle der Abt fällen.

Benedikt weiß um die Tradition, dass der Wein für Mönche überhaupt nicht passe, weil sich aber die Mönche „heutzutage“ (6. Jh.) davon nicht überzeugen ließen, sollten sie sich wenigstens darauf verstehen, nicht bis zum Übermaß zu trinken.

Im Grunde kommt es, wie bei allem im Leben, auf das rechte Maß an: Ein Zuviel wird immer schaden.

Die Fastenzeit mag ein Anlass sein, darüber nachzudenken, ob eine gewisse Enthaltsamkeit nicht wieder mehr bewusst machen könnte, was Speise und Trank wirklich sein können, mag sie helfen, das rechte Maß wieder zu finden – nicht nur beim Wein!