Erstellt am 03. März 2016, 06:14

von Abt Maximilian Heim OCist

Mutige Schritte zur Einheit der Christen. Abt Maximilian Heim OC ist (Stift Heiligenkreuz) über ein geschwisterliches Zueinander der Christenheit.

Die aktuelle gesellschafts- und weltpolitische Lage fordert die christlichen Konfessionen auf, immer mehr mit einer Stimme zu sprechen, um überhaupt in dieser Krisenzeit Gehör finden zu können. Vor allem die Trennung zwischen den orthodoxen Kirchen und der katholischen Kirche von 1054 ist ein tiefer Schmerz.

Auch die Spaltung des westlichen Christentums, die sich vor 499 Jahren (Reformation) anbahnte, ist ein Riss, der durch die Christenheit geht. Große und kleine, konkrete und konsequente Schritte sind nötig, um das geschwisterliche Zueinander wiederzufinden oder zu vertiefen. Dies gebietet die Bitte Jesu an den Vater im Himmel: „Alle sollen eins sein […], damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast“ (Joh 17). So war es eine große Freude, als Papst Franziskus überraschend mit dem Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche, Patriarch Kyrill, am 12. 2. 2016 in Havanna auf Kuba zusammenkam.

Eigentlich hätte ein ähnliches Treffen bereits 1997 im Stift Heiligenkreuz stattfinden sollen, damals zwischen Papst Johannes Paul II., dem russischen Patriarchen Aleksej und dem griechisch-orthodoxen Patriarchen Bartholomaios. Alles war schon protokollarisch vereinbart, als acht Tage zuvor ein Nein aus Moskau kam. Jenes Treffen sollte im Zeichen des Kreuzes stattfinden, dessen Reliquie in Heiligenkreuz seit Jahrhunderten aufbewahrt wird.

Die jetzige gemeinsame Erklärung von Papst Franziskus und Patriarch Kyrill ist ein Hoffnungszeichen, das nicht wegen der politischen Konflikte in der Ukraine um seine Kraft gebracht werden darf.

Vielmehr ist unser Augenmerk zu richten auf die Geste der Versöhnung und auf den Inhalt dieses brüderlichen Treffens: das einmütige Bekenntnis zum Evangelium Christi und zum gemeinsamen Glaubensbekenntnis; das Eintreten für die verfolgten Christen und gegen jede Form der Gewalt und des Terrorismus; die flehentliche Bitte an Gott um den Frieden zwischen den verschiedenen Volksgruppen, Kirchen und Religionen; der dringende Appell zur Bewahrung der Schöpfung vor der Vernichtung; das Bekenntnis zum interreligiösen Dialog und zur Religionsfreiheit; die Achtung der religiösen Identität; das Bekenntnis zur christlichen Familie und zur Ehe zwischen Mann und Frau wie auch zum Schutz des menschlichen Lebens von seinem Anfang im Mutterschoß bis zu seinem natürlichen Sterben; die Besorgnis über biomedizinische Manipulationen menschlichen Lebens wie auch die Aufforderung „gegen den Strom zu schwimmen“, um die Wahrheit Gottes zu verteidigen; der Aufruf zu Frieden und Eintracht unter den Christen unter dem Schutzmantel Mariens.

„Im Kreuz Christi ist Heil!“ Hoffen wir, dass die Wunden heilen und dass das Licht von Ostern die Dunkelheit des Hasses und des Todes vertreibt.