Erstellt am 21. März 2017, 02:06

von Bernhard Schiesser

Karls Serie schafft’s nicht in die Prime-Time. Bernhard Schiesser über das Ungleichgewicht der medialen Präsenz von Skifahrern und Snowboardern.

Das muss man sich erst einmal vergegenwärtigen: Benjamin Karl gewann bei allen Titelkämpfen, an denen er jemals teilnahm – und das waren immerhin schon sieben – zumindest eine Medaille. Diese Konstanz wäre in jeder Sportart großartig, im Snowboard ist sie schier unglaublich.

Karl & Co. fahren ihre Rennen im K.o.-Modus. Jeder Fehler bedeutet das Aus. Zur Erinnerung: Ski-Superstar Marcel Hirscher zog beim ebenfalls als Parallelrennen ausgetragenen WM-Teambewerb im Duell gegen einen Belgier den Kürzeren und sah sich danach Spott und Häme ausgesetzt. Er verlor, obwohl Hirscher in diesen Tagen in Topform unterwegs war, wie seine zwei Goldmedaillen Tage später bewiesen.

Sportlich kann es Karl mit Hirscher also locker aufnehmen, in puncto medialer Präsenz hinken die Snowboarder gegenüber den Skifahrern hinterher. Das wurmt den Wilhelmsburger. Ob das Ungleichgewicht gerechtfertigt ist, darüber kann man streiten. In Wahrheit ist alles eine Frage der Perspektive. Die Weltmeister im Orientierungslauf oder Eisstockschießen werden wohl neidisch auf Karl blicken, und das liegt garantiert nicht nur an dessen beispielloser Medaillenserie.