Erstellt am 08. August 2017, 03:00

von Bernhard Schiesser

Red Bull mit selbst gestutzten Flügeln. Bernhard Schiesser über das gar nicht so unglückliche Scheitern des österreichischen Meisters in der Champions League.

Red Bull Salzburg scheiterte zum zehnten Mal in Serie beim Versuch in die Champions League einzuziehen. Rein nach der Papierform hätten die Salzburger in dieser Dekade geschätzte sieben Mal die Gruppenphase erreichen müssen! Gerade das traurige „Jubiläum“ verdeutlichte, dass es nicht nur an der sportlichen Ausrichtung – Stichwort Spielerfluktation – liegt. Red Bull scheiterte gegen Rijeka an der selbst auferlegten und beinahe mit Stolz vor sich hergetragenen „Erbschuld“.

Als ob Betreuern und Spielern eingeimpft wurde, dass das „Konzernkonstrukt Fußball“ zwar rechtlich okay, aber moralisch – im Sinne der Fußballnostalgiker – bedenklich sei. Nie hatte man gegen Rijeka das Gefühl, dass die Salzburger diesen Aufstieg auch mit aller Macht wollten. Stürmer Hwang rollte brav die Kugel ins Out, als sich sein Kontrahent – von einem Ball im Gesicht getroffen – formschön am Boden wälzte. Trainer Rose nahm die Schiedsrichter fast in Schutz, obwohl sie seiner Elf ein glasklares Tor aberkannten. Man stelle sich in dieser Situation Austria-Trainer Fink vor – der hätte wohl ins Mikro gebissen.

Aber auch, wie die Bullen den total aus dem Ruder laufenden Anfeindungen in Deutschland begegnen: Sie halten eben auch noch die andere Wange hin und am liebsten würden sie auch noch die beiden Arschbacken freimachen, um sich geißeln zu lassen. Warum eigentlich? Weil sie im knallharten Fußballbusiness vieles richtiger machen als andere? Red Bull bildet wenigstens Spieler aus, anstatt einen einzigen – zur Comicfigur verkommenen – um irrwitzige 222 Millionen Euro zu kaufen.

Steht zu dem, was ihr seid! Wehrt euch endlich! Nur so gewinnt man wichtige (!) Fußballspiele. Und nur so erobert man irgendwann vielleicht auch die Herzen der Fußballfans.