Erstellt am 05. Dezember 2017, 02:52

von Bernhard Schiesser

Skispringer und ihre exklusive Gefühlswelt. Bernhard Schiesser über den dritten schweren Sturz von Thomas Diethart.

Es ist ja irgendwie ein Phänomen: Skispringen ist wohl der einzige Sport, der nicht einmal im Ansatz massentauglich ist und sich dennoch enormer Popularität erfreut. Fußball oder Tennis hat so ziemlich jeder schon einmal gespielt. Und auch wenn es die Kitzbüheler nicht gerne hören: Die mit viel Pathos berüchtigt gemachte Streif ist für halbwegs geübte Skifahrer ohne gröbere Probleme zu bewältigen. Über die Innsbrucker Olympiaschanze beispielsweise kann und darf aber nicht jedermann springen.

Das bedeutet aber auch, dass die Sportfans nicht einmal erahnen, wie es sich anfühlt, auf dem Zitterbalken zu sitzen. Die, die es wissen, erzählen uns, dass Skispringen hauptsächlich Kopfsache sei. Das wird wohl so sein, ansonsten wäre es kaum zu erklären, dass ein Springer in einem Winter allen um die Ohren fliegt, um dann in der Versenkung zu verschwinden.

Thomas Diethart ist dafür das beste Beispiel. Der Michelhausener Vierschanzentourneesieger wollte um jeden Preis wieder dorthin zurück, wo er schon einmal war. Er bezahlte das mit drei fürchterlichen Stürzen. Wenn er das Skispringen jetzt sein lässt, wäre das keine Schande. So viel verstehen wir von diesem Sport dann doch.