Erstellt am 13. Februar 2018, 01:25

von Wolfgang Wallner

„Wir-Gefühl“ mit schalem Beigeschmack. Wolfgang Wallner über die Schattenseite der Olympischen Spiele.

Wir haben sie, die erste Medaille. Rodler David Gleirscher hat mit Gold am Sonntag aus rot-weiß-roter Sicht den Bann gebrochen und damit viel Druck von Benni Karl & Co. genommen. Wir können stolz sein. Aber können wir das wirklich?

Olympia ist nicht nur das selbst ernannte Fest des Friedens und der Völkerverständigung, sondern auch eine Parade der Chauvinisten und Selbstbeweihräucherer. Wie leicht werden sportliche Leistungen vereinnahmt, um das nationale Ego am Bauch zu pinseln! Wie leicht geht das „Wir“ jenen von den Lippen, die David Gleirscher zwei Wochen vor den Olympischen Spielen noch überhaupt nicht gekannt haben! Wenn es gilt, sich im Erfolg „unserer“ Sportler zu sonnen, sind plötzlich alle da. Nicht nur die Funktionärsprominenz, sondern auch wir TV-Sportler. Denn ein bisschen haben wir ja doch auch zu den Stockerlplätzen beigetragen. Durch das Daumendrücken und mitfiebern. Oder so.

Klar dürfen wir uns mitfreuen. Aber dieses „Wir-Gefühl“ bei den Spielen hat einen etwas schalen Beigeschmack. Und mit dem ursprünglichen olympische Geist hat all das ohnehin nichts mehr zu tun. Irgendwann stand nämlich wirklich der Athlet im Fokus.