Erstellt am 19. April 2017, 03:00

von Bernhard Schiesser

Wirtshaus und Stadion – beides außer Mode. Bernhard Schiesser über mäßige Besucherzahlen in heimischen Stadien und die tiefgehenden Gründe dafür.

650 Zuschauer bei Horn gegen Liefering, 800 Besucher bei Wiener Neustadt gegen Kapfenberg. Zu den beiden Spielen in der zweithöchsten Fußballliga verirrten sich nur wenig mehr Leute als zu manch brisantem Ortsderby im Fußballunterhaus. Doch es geht noch erschreckender: Zum NÖ-Derby in der Tipico Bundesliga zwischen Admira und St. Pölten verirrten sich gerade einmal 2.010 Menschen. „Nennen Sie es niemals Derby“, unkte Sky-Moderator Johannes Brandl im Vorfeld. Recht hat er.

Erklärt wird der Zuschauermangel oft mit mangelhafter Infrastruktur, mäßigem sportlichen Erfolg und einer allgemeinen Übersättigung in Sachen Fußball. Alles Punkte, die nicht von der Hand zu weisen sind.

Nistet sich aber nicht überhaupt eine allgemeine Unlust nach persönlichem Kontakt ein? Im Prä-Facebook-Zeitalter gingen Menschen auf Fußballplätze oder zum Wirten, um unter die Leut’ zu kommen. Zwischenmenschliches, aber auch Klatsch und Tratsch, gab’s live vor Ort. Und zwar nur da. Und das ungefiltert.

Diese Stubenhocker-Entwicklung wird uns irgendwann einholen. Leere Fußballstadien sind ein Symptom dafür, dann aber eine eher vernachlässigbare Sorge.