Erstellt am 29. Dezember 2015, 06:43

von Bernhard Schiesser

NÖ wird Eishockeyland?. Bernhard Schiesser über die Okanagan Hockey School in St. Pölten.

Der Eishockey-Sport hat es in Niederösterreich schwer. Es gibt keinen Profiverein in der höchsten Liga. Selbst die Landesliga (höchste Liga in NÖ) kämpft Jahr für Jahr ums Überleben. Die Gründe: kaum geeignete Eislaufplätze geschweige denn Eishallen, kaum Nachwuchs. Dass das österreichische Nationalteam jahrzehntelang hauptsächlich aus Spielern Westösterreichs gespeist wurde, liegt auf der Hand.

Durch die seit 2009 in St. Pölten beheimatete kanadische Eishockey-Akademie Okanagan Hockey School kommt Bewegung ins Land. Dass plötzlich immer mehr Niederösterreicher in Nachwuchsnationalteams auftauchen, ist kein Zufall. Und dennoch muss sich die Eishockey-Akademie auch Kritik gefallen lassen. So stößt vielen sauer auf, dass die „Okanagans“ viel Eiszeit in der St. Pöltner Eishalle blocken, die anderen Eissportlern fehlen würde. Die Hockey-Akademie ist im Sportzentrum eingemietet und zahlt natürlich dafür.

Die Ausbildung in der St. Pöltner Akademie ist nicht billig. Pro Jahr kostet die Okanagan Hockey School 20.000 Euro. Heimische Sportler werden mit Stipendien gestützt, dennoch sind mehr als die Hälfte der Schüler Ausländer. Auch ein Punkt, der nicht jedem schmeckt.

Kleingeistig ist das allemal. Fakt ist, dass es in Niederösterreich zu wenig Eisflächen gibt. Dafür aber die Okanagan Hockey School an den Pranger zu stellen ist falsch. Richtig ist, dass Eishockey in Niederösterreich ohne diese Akademie fast komplett brach liegen würde.

Vieles erinnert an die Frank Stronach Fußball-Akademie (FSA) in Hollabrunn. „Wos is des? Für wos brauch’ ma des?“ Das Gros der Fußball-Nationalmannschaft, die sich erstmals für eine EM qualifizierte, ging in die FSA. Wenn die Okanagan Hockey School nur halb so viele Teamspieler produziert, dann können wir sie brauchen. Sehr gut sogar.