Erstellt am 20. Oktober 2015, 05:42

von Harald Knabl

Nur Rosinen suchen, das wird nicht gehen. Harald Knabl über die nachhaltigen politischen Auswirkungen des Flüchtlingsstromes.

Irgendwie ist Alltag eingekehrt. Irgendwie ist es zum gewohnten Bild unseres Lebens geworden, was sich da ununterbrochen an unseren Grenzen abspielt. Ja, selbst die (meisten) Nachrichtentopmeldungen sind „asylthemabefreit“.

Was hat sich geändert in diesen Wochen, ist die Situation besser geworden, kommen weniger Menschen, die Hoffnung und Sicherheit suchen? Die Antwort ist einfach: Nein. Die Zahl an Flüchtlingen ist nicht kleiner geworden. Aber unsere Panik ist abgeebbt. Das Unvorhergesehene, etwas, das dem österreichischen Volk so gar nicht zu Gesicht steht, ist dem Erkennen der Unausweichlichkeit gewichen.

Das ist zunächst einmal gut so. Das nimmt zuerst einmal jenen ein wenig Wind aus den Segeln, die die Flüchtlingsfrage eiskalt nützen, um politisch daraus Profit zu schlagen. Immerhin aber wurden zwei Wahlgänge damit bestritten. Ausgang bekannt.

Das birgt aber auch die Gefahr in sich, zu meinen, wir hätten die Sache bewältigt. Das stimmt nämlich ganz und gar nicht. Wenn wir nicht mehr zusammenschrecken, wenn wir hören, dass Hunderte Menschen am Salzburger Hauptbahnhof campieren müssen, oder dass es kilometerlange Staus an der slowenischen Grenze gibt, liegt einzig und allein am Gewohnheitseffekt und nicht daran, dass Besserung in Sicht ist.

Und was immer mehr entblößt wird, ist die dramatische Situation des Gebildes Europa. Von einer Solidargemeinschaft kann keine Rede mehr sein. Klarer als jemals zuvor ist zu erkennen, dass viele Staaten (nicht nur Osteuropas) den Beitritt nur wählten, um sich die Rosinen aus dem vermeintlich unendlich großen Vorteilskuchen zu picken. Und das ist ein nachhaltiges Problem, das es dringend aufzuarbeiten gilt.