Erstellt am 12. Januar 2016, 01:28

von Thomas Hofer

Offenes Rennen. Thomas Hofer, Politik-Berater, über das ausgeglichene Feld an Bundespräsidentschafts-Kandidaten.

Bundespräsidentschaftswahlen sind bei Parteien notorisch unbeliebt. Das Ganze kostet nicht wenig Geld, Macht und Einfluss sind aufgrund der Überparteilichkeit der Position aber kaum zu gewinnen. Diesmal allerdings verspricht das Rennen um die Hofburg mehr Spannung als sonst. 

Warum das so ist? Wir haben es mit einem ausgeglichenen Feld an Kandidaten zu tun. Keiner sticht da tatsächlich hervor, jeder hat seine Stärke- und Schwächefelder. Zudem ist der alte Vorteil der ehemaligen Großparteien SPÖ und ÖVP keiner mehr. Es gibt zwar noch Organisationen, wie der schwarze Seniorenbund oder die Fraktion sozialdemokratischer Gewerkschafter, die Stimmen auch „organisieren“ können.

Für einen immer größer werdenden Anteil der Wählerschaft aber sind Parteikandidaten, gar Anwärter, die aus einem Regierungsamt heraus antreten oder für ideologische Positionierungen stehen, eher abschreckend.

Das kann für SPÖ und ÖVP ein echtes Problem werden. Eigentlich müssten sie ihre Kandidaten aufgrund ihrer Organisationsdichte noch immer locker in die Stichwahl bringen. Aber der grüne Altvordere Alexander Van der Bellen und Irmgard Griss – wenn sie ihre politische Naivität über den Jahreswechsel abgelegt hat – dürfen nicht unterschätzt werden.

Legen sie ihre Kampagne gescheit an, könnte der eine oder andere Favorit vorzeitig scheitern. Griss sieht sich fast als Anti-Politikerin, und auch Van der Bellen hat schon in seiner Zeit als grüner Bundessprecher versucht, als Politiker neuen Stils über die Rampe zu kommen.

Für die FPÖ stellt sich ein anderes Problem: Von ihr erwarten sich mittlerweile alle ein Ergebnis jenseits der 30 Prozent. Diese sind für den freiheitlichen Kandidaten aber nur schwer zu erreichen, zumal gerade die Wähler des Dritten Lagers bei Präsidentschaftswahlen schwer zu mobilisieren sind.

Vieles wird davon abhängen, wie die einzelnen Kandidaten den Wahlkampf anlegen und wie sie in den zahlreich zu erwartenden TV-Debatten abschneiden. Duelle auf Top-Ebene hat eigentlich nur der ehemalige Partei-Spitzenkandidat Van der Bellen aufzubieten, aber er könnte nach einigen Jahren Absenz von der großen Bühne eingerostet sein. Noch überwiegen die Fragezeichen in diesem Rennen, jetzt ist es an den Kandidaten, die Antworten zu geben.