Erstellt am 24. März 2016, 07:04

von Matthäus Nimmervoll

Ostern: Auferstehung zu neuem Leben. Abt Matthäus Nimmervoll (Stift Lilienfeld) über das Leben, das immer Veränderung und ein Weiterentwickeln bedeutet.

Am ersten Sonntag nach dem Frühlingsvollmond feiern wir Ostern. Das bedeutet, dass sich die Kirche nach der Natur ausrichtet. So wie auch das Naturrecht jeder menschlichen Rechtsprechung vorausgeht.
Frühling heißt auch Erwachen der Natur zu neuem Leben. So wie die Auferstehung den Tod überwindet und damit neues Leben ermöglicht.

Was aber ist das Kennzeichen des Lebens? Leben bedeutet immer Veränderung und ein Weiterentwickeln. Sonst gibt es kein Wachstum. Betrachten wir nur beispielsweise einen Fluss, dann sehen wir ein paar muntere Fische, die sich darin tummeln und sogar gegen den Strom schwimmen, während abgefallene Blätter, Holzstücke und anderes Treibgut mit der Strömung fortgetragen werden.

Ein Zeichen des Lebendigen ist die jeweilige Anpassung an veränderte Umweltbedingungen. Um wachsen zu können, müssen auch wir oftmals bequeme Nischen verlassen. Nur so können wir andere Möglichkeiten überhaupt erst entdecken und Neues entwickeln. Es braucht mutige Menschen, die auch einmal gegen die Hauptströmung kämpfen. Modern ausgedrückt: Menschen, die es mit dem sogenannten „Mainstream“ aufnehmen.

Ohne Vordenker und manchmal Querdenker gibt es keine Weiterentwicklung. Der Kärntner Kommunikationswissenschaftler und Soziologe Paul Watzlawick (1921-2007) hat das so formuliert: Wenn du immer wieder das tust, was du schon immer getan hast, dann wirst du immer wieder das bekommen, was du immer schon bekommen hast. Aber auch innerhalb der Kirche hat dies der deutsche Schriftsteller Karl Heinrich Leopold Deschner (1924-2014) kritisch folgendermaßen angemerkt: Nur Lebendiges schwimmt gegen den Strom.
Niemand muss diese Ansichten teilen. Aber jede Form von Gemeinschaft bleibt nur dann lebendig, wenn sie auch verschiedene Meinungen anhört und dadurch für Veränderungen offenbleibt.