Erstellt am 20. Oktober 2015, 07:52

von Bernhard Schiesser

Pleite stinkt zum Himmel. Bernhard Schiesser über die durch die Obergrafendorf-Insolvenz zutage getretenen Probleme im NÖ-Amateurfußball.

339.000 Euro Miese bei einem Fußballverein der vierten Leistungsstufe - das muss man sich erst einmal auf der Zunge zergehen lassen. Landesligist Obergrafendorf legte einen finanziellen Bauchfleck hin und muss mitten in der Saison den Spielbetrieb einstellen. Dasselbe passierte vor zwei Jahren in Götzendorf. Zwei Fälle, die eines deutlich machen: Der Fußball in Niederösterreich hat ein Problem.

Natürlich haben in erster Linie die Funktionäre in Obergrafendorf und Götzendorf versagt. Größenwahn und Geltungsdrang sind schlechte Triebfedern bei der Führung eines Fußballvereins. Sie führten letztlich zum Desaster. Exklusiv den „Dorfkaisern“ den Schwarzen Peter zuzuschieben ist aber grundfalsch. Alleine, dass solch eine kapitale Pleite wie in Obergrafendorf möglich war, sollte die Alarmglocken schrillen lassen.

Als die Fußballergewerkschaft „Vereinigung der Fußballer“ vor Monaten Verein und Verband mit offenen Spielerforderungen konfrontierte, tat NÖFV-Präsident Ludwig Binder das als Sekkiererei ab. Die VdF solle sich um die Bundesliga kümmern, ließ Binder damals ausrichten. So einfach vom Tisch lässt sich das aber spätestens jetzt nicht mehr wischen.

Der NÖFV wird sich der Realität stellen müssen. Die sieht so aus, dass im Amateurfußball zu viel Geld fließt. Das passiert noch dazu ohne Kontrolle und viel zu oft auch an Sozialversicherung und Finanzamt vorbei.

Regional- und Landesligisten sind in NÖ in der „Hauptgruppe Spitzenfußball“ organisiert. Will dieses Konstrukt mehr sein als eine, ob des markigen Namens, hochtrabend daherkommende Stammtischpartie? Dann wären konstruktive Lösungen gefragt, die zukünftig ausschließen, dass die Pleiten-Liste verlängert wird. Ein Lizenzierungsverfahren für Vereine dieser zwei Ligen wäre eine solche.