Erstellt am 22. März 2016, 06:34

von Thomas Hofer

Präsidenten-Poker. Thomas Hofer, Politik-Berater, über die Strategien der Parteien bei den Unterstützungserklärungen.

Eine Voraussetzung, um bei der Bundespräsidentschaftswahl am 24. April antreten zu können, sind 6.000 Unterstützungserklärungen. Diese Hürde haben gleich mehrere Kandidaten (nach eigenen Angaben) deutlich übererfüllt. Die Fleißaufgaben sind, gerade bei Andreas Khol (ÖVP) und Rudolf Hundstorfer (SPÖ), leicht erklärt. Die beiden sind in den meisten Umfragen heftig unter Druck geraten und brauchten dringend einen symbolischen Zwischenerfolg. Deshalb mobilisierte man schon jetzt die eigenen Strukturen, wo es nur möglich war.

Für die Reihung am Stimmzettel ist die Zahl der Unterstützer vollkommen irrelevant. Im Innenministerium hört man nach 6.000 positiv geprüften Unterschriften auf zu zählen. Es geht also um die reine Optik. Man will Medien beeindrucken und möglicherweise in deren gängiger Einschätzung erschüttern, wonach es die Regierungskandidaten schwer haben werden, überhaupt in die Stichwahl zu kommen. Ein weiterer Adressat ist die eigene Basis: Sowohl bei SPÖ als auch ÖVP machte sich schon Ernüchterung breit, was die eigenen Chancen angeht. Eine beeindruckende Zahl an Unterstützern kann da für einen kleinen Motivationsschub sorgen.

Das Präsidentschaftsrennen ist so aktuell eine Art Poker, wo man signalisiert, ein unschlagbares Blatt in der Hand zu haben. Strategisch betrachtet ist das nicht ungeschickt, konstruiert man doch aus einer eigentlich irrelevanten Frage ein symbolisches Zwischenergebnis.

Beim Fokus auf die eigenen Unterstützer hat man aber offenbar eines vergessen: Man hätte einem Konkurrenten auch schaden können, indem man einem kleineren, aber ähnlich positionierten Kandidaten auf den Wahlzettel hilft. Hätte also etwa die ÖVP hinter den Kulissen der Linken Elfriede Awadalla beim Sammeln geholfen, hätte das am Wahltag der SPÖ oder den Grünen zumindest einige Stimmen gekostet.

Für rechts positionierte Kandidaten gilt etwa im Fall Richard Lugner, der die Nachfrist für die Abgabe der Unterstützungserklärungen noch nutzen will, Ähnliches. Ihn zu forcieren, hätte wohl am ehesten dem FPÖ-Kandidaten Norbert Hofer geschadet. Ganz ausgespielt haben die Parteistrategen ihr Blatt in dieser Phase des Wahlkampfes also nicht.