Erstellt am 19. Januar 2016, 07:03

von Thomas Hofer

Rollenwechsel. Thomas Hofer, Politik-Berater, über die überraschenden Zuspitzungen des ÖVP-Kandidaten Andreas Khol.

Andreas Khol ist für die ÖVP nach der Absage Erwin Prölls natürlich ein Verlegenheitskandidat für das Amt des Bundespräsidenten. Aber: Zumindest in der ersten Woche nach Bekanntgabe seiner Kandidatur bestimmte er die innenpolitische Bühne nach Belieben. Alexander Van der Bellen gab sich zurückhaltend bis abwägend; die SPÖ vermasselte dem eigenen Kandidaten Rudolf Hundstorfer durch die vorzeitig publik gewordene Regierungsumbildung den Auftakt; Irmgard Griss war überhaupt von der Bildfläche verschwunden.

Khol aber drückte aufs Tempo. Und als ausgekochter Politprofi wusste er auch, wo anzusetzen war. Über die Sympathiewerte, das weiß der Mitarchitekt von Schwarz-Blau, gewinnt er diese Wahl nicht. Wenn, dann kann er die aktuelle innenpolitische Debatte für sich nutzen und das honorige Rennen um die Hofburg zu einem beinharten Lagerwahlkampf umfunktionieren. Khols erste Statements waren daher geprägt von flapsigen bis brachialen Ansagen. Von „i mog des Land, i mog die Leit“ bis zur aus christlicher Sicht fragwürdigen und herabwürdigenden Wortkreation „Fernstenliebe“ war da alles dabei.

Was Khol hier versucht, ist der bewusste Bruch mit einer Tradition. Klassischerweise ist der Bundespräsident in den Augen vieler Österreicherinnen und Österreicher ja ein vom Ausgleich und Kompromiss getriebenes Wesen. Er hat über den Dingen zu stehen, sollte sich in die Tagespolitik möglichst nicht einmischen, und es ist beileibe keine Schande, bei seinen Reden auch mal kurz einzunicken.

Der Kandidat der staatstragenden ÖVP kann bei dieser Rollendefinition offenbar nicht ganz mit. Er nutzt die Ängste in der Flüchtlingskrise und versucht, gleich von Beginn weg, auch freiheitliche Wähler anzusprechen. Das ist zwar legitim und wohl auch notwendig, um in die Stichwahl zu kommen.

Khol muss nur aufpassen, dass er es nicht übertreibt. Macht er in dem Tempo weiter und überbietet sich von Woche zu Woche in seinen Zuspitzungen, landet er am Ende weit rechts von Heinz-Christian Strache. Das aber gefällt dann möglicherweise nicht jedem an der ÖVP-Basis.