Erstellt am 21. September 2015, 09:38

von Michael Proházka

Schwarz-weiß-Denken. Ich kann meinen Mitbrüdern, die in den vergangenen Wochen hier geschrieben haben, nur dankbar sein, dass sie das vielfältige Engagement der Klöster und ihrer Einrichtungen im Blick auf die dramatischen Schicksale so vieler Menschen, die Tausende Kilometer

Ich kann meinen Mitbrüdern, die in den vergangenen Wochen hier geschrieben haben, nur dankbar sein, dass sie das vielfältige Engagement der Klöster und ihrer Einrichtungen im Blick auf die dramatischen Schicksale so vieler Menschen, die Tausende Kilometer Fluchtweg auf sich genommen haben, um sichere Lebensumstände zu erreichen, in der öffentlichen Meinung zurechtgerückt haben. Seit dem Besuch des melkitischen Patriarchen Gregorios Laham im Jahr 2010 haben wir in Geras die Aktion „Hilfe für Syrien“ gegründet.

Dadurch wollen wir Initiativen unterstützen, die es den Menschen – vor allem jungen Menschen ermöglichen, in ihrer Heimat einer sinnvollen Tätigkeit nachzugehen, und so zum Wiederaufbau des Landes beizutragen.
Wie sagte Papst Franziskus kürzlich so treffend in einem Interview: Das derzeitige Flüchtlingsphänomen in Europa ist nur „die Spitze eines Eisbergs. Wir sehen diese Flüchtlinge, diese armen Menschen, die vor dem Krieg, vor dem Hunger flüchten, aber an der Wurzel gibt es eine Ursache: ein böses, ungerechtes sozio-ökonomisches System.

Das heute dominierende Wirtschaftssystem hat den Menschen an den Rand gedrängt und stattdessen den Gott Geld, das Idol der Stunde, ins Zentrum gerückt. Man muss also an die Ursachen herangehen – da, wo Hunger herrscht, muss man Arbeitsmöglichkeiten schaffen und investieren. Da, wo der Krieg die Ursache ist, muss man sich um den Frieden bemühen. Heute führt die Welt Krieg gegen sich selbst“!

Deshalb ist es meiner Meinung nach genau so wichtig, schon jetzt an die Bekämpfung der Ursachen heranzugehen und gleichzeitig den zahlreichen Menschen zu Hilfe zu kommen, die Asyl suchen.

Die große Gefahr in dieser Stunde ist, dass wir sehr schnell in ein Schwarz-weiß-Denken verfallen. Jedoch – mit Beurteilungen im Schema Schwarz-Weiß wird man keinem Menschen gerecht!