Erstellt am 06. Oktober 2015, 06:02

von Martin Gebhart

Schwere Entscheidung. Martin Gebhart über den Wechsel von Gerhard Karner.

Dass Johann Heuras sein Politiker-Leben aufgegeben und sich in der Vorwoche zum neuen Landesschulratspräsidenten küren hat lassen, war keine allzu große Überraschung. Er hatte kein wirklich großes Geheimnis daraus gemacht, dass er zurück in den Bildungsbereich will – gleichgültig ob als Politiker oder eben nun als hoher Beamter. Dass Landesgeschäftsführer Gerhard Karner auf den Sessel des Zweiten Landtagspräsidenten der ÖVP wechselt, erstaunte umso mehr.

Viele in der Partei hätten sich gewünscht, dass er Landesgeschäftsführer bleibt. Gerade in Zeiten, in denen auch auf Länderebene ÖVP und SPÖ starke Verluste hinnehmen müssen, bedürfe es eines erfahrenen, starken Landesgeschäftsführers, um die Position der ÖVP in Niederösterreich zu halten. So der Tenor. Und dass Karner in den zwölf Jahren an der Spitze den Parteiapparat immer auf Zug gehalten hat, unterstreichen die Wahlergebnisse. Auf Landesebene war es zweimal die absolute Mehrheit für Landeshauptmann Erwin Pröll und die ÖVP. Andererseits: Zwölf Jahre Landesgeschäftsführer der ÖVP in NÖ, dem wohl straffesten Parteiapparat in ganz Österreich, das hinterlässt seine Spuren. Da ist es legitim, sich neuen Aufgaben zu widmen.

Für seine Nachfolgerin oder seinen Nachfolger liegt die Latte jedenfalls sehr hoch. Gleichzeitig werden die politischen Rahmenbedingungen immer rauer. Außerdem sehen viele in der Partei in dieser Personalentscheidung einen Hinweis, wie es im kommenden Jahr an der Spitze der Partei und des Landes weitergehen wird. Da steht ein ordentlicher Landesparteitag auf dem Programm – mit Neuwahlen. Und egal, wer die Partei dann führt: Ein gutes Verhältnis zur Landesgeschäftsführung ist Voraussetzung für einen Erfolg. Somit steht Landeshauptmann Erwin Pröll jetzt vor einer sehr schwierigen Personalentscheidung.