Erstellt am 19. Januar 2016, 06:08

von Thomas Jorda

Sehr gerne, aber .... Thomas Jorda über die leidige Diskussion, welche Stadt sich nun um den Titel einer europäischen Kulturhauptstadt 2024 bewerben will oder besser: kann.

Die Frage taucht auf wie das Krokodil aus dem Wasser. Nicht regelmäßig, aber immer wieder. Und sie ist mindestens so bissig wie das grüne Reptil: Wird sich St. Pölten um die dann Österreich zustehende Ehre bewerben, Europäische Kulturhauptstadt des Jahres 2024 zu sein? Oder Krems? Oder beide gemeinsam? Vielleicht, vielleicht auch nicht.

Man findet inzwischen viele bemerkenswerte Beiträge freudiger Willenskundgebungen. Seit Jahren schon sagt die Landeshauptstadt deutlich, dass sie sehr gerne und mit großer Freude und nichts lieber.

Jetzt befindet sich St. Pölten im Wahlkampf und wird wahrscheinlich noch öfter als bisher betonen, mit welcher Begeisterung. Das sagt, übrigens, auch Krems in aller Offenheit. Von einer gemeinsamen Bewerbung ist hingegen keine Rede, aber das ist eine andere Frage.

Das Grundproblem der Diskussion ist die übliche Rhetorik. St. Pölten (und Krems) fordert entsprechende Initiativen vom Land. Das gibt den Ball zurück und sagt: Wir würden ja gerne, aber zuerst müsst ihr eine entsprechende Grundlage liefern. Auf Deutsch heißt das: Wie viel Kohle ist im Pott? Ohne zwanzig Millionen Euro vonseiten der Stadt geht wohl nichts.

Was das Land noch dazu wenig begeistert: Mit dem neuen Museum in Krems und dem Haus der Geschichte in St. Pölten sind die beiden Städte bereits vor 2024 überreich ausstaffiert. Da ist kein sinnvoller Wunsch mehr offen, kein geeignetes Projekt in der Pipeline.

Aber wir wollen weder St. Pölten noch Krems unterschätzen. Vielleicht gelingt es ihnen, mit intelligenter Planung und glaubwürdiger Finanzierung das Land zu beschämen. Beide Städte verdienen es, Kulturhauptstadt zu werden. Bloß: Nur darüber zu lamentieren ist zu wenig. Nachvollziehbare Konzepte, glaubwürdige Willenskundgebungen und entsprechende Taten sind dringend gefordert.