Erstellt am 06. Oktober 2015, 09:02

von Abt Maximilian Heim OCist

Selig sind die Barmherzigen. Abt Maximilian Heim OCist (Stift Heiligenkreuz) über das „Jubiläum der Barmherzigkeit“.

In einem kommunistischen Lexikon konnte man lesen, Barmherzigkeit sei ein veralteter Begriff aus dem Mittelalter. In dieser Aussage stecken zwei Fehler: Zum einen ist die Barmherzigkeit wenigstens so alt wie das Christentum und nicht erst im Mittelalter entstanden und zum anderen ist Barmherzigkeit auch heute hochaktuell und nicht veraltet, wenn das Leben menschlich bleiben soll. Aus diesem Grunde hat Papst Franziskus ein Heiliges Jahr als „Jubiläum der Barmherzigkeit“ ausgerufen. Es beginnt am 8. Dezember 2015, dem Hochfest der Unbefleckten Empfängnis Mariens, und endet mit dem Christkönigsfest am 20. November 2016.

Was bedeutet das für die Christen? Das Wichtigste ist, Gottes Barmherzigkeit in diese Welt hineinzutragen. „Seid barmherzig, wie es auch euer Vater ist!“ (LK 6,36). Dazu helfen die sogenannten Werke der Barmherzigkeit, die ihre Grundlage in der Bibel haben. Zu ihnen gehören die sieben geistlichen Werke der Barmherzigkeit: die Unwissenden lehren, die Zweifelnden beraten, die Trauernden trösten, die Sünder zurechtweisen, den Beleidigern gern verzeihen, die Lästigen geduldig ertragen, für die Lebenden und Verstorbenen beten. Hochaktuell sind für uns heute neben den geistlichen auch die sogenannten leibliche Werke: Hungrige speisen, Obdachlose beherbergen, Nackte bekleiden, Kranke besuchen, Gefangene besuchen, Tote begraben, Almosen geben.

Aber was bedeutet es, barmherzig zu sein, so wie Gott barmherzig ist? Es bedeutet nicht, dass wir mitleidig auf andere herabschauen, sondern dass wir in der Begegnung mit dem Notleidenden das Antlitz Gottes neu entdecken. Dieser Zugang kann das ganze Leben verändern und uns aus unserem Egoismus herausholen, der das Leben letztlich unmenschlich macht. Wie wichtig Barmherzigkeit ist, erleben wir in Notsituationen. Die Blaulichtorganisationen wie Rotes Kreuz, Samariter Bund oder die Johanniter weisen schon durch den Namen auf den christlichen Ursprung hin.

Denken wir hierbei an das Gleichnis vom barmherzigen Samariter im Lukasevangelium, der den unter die Räuber gefallenen nicht liegen lässt. Oder denken wir im gleichen Evangelium an den verlorenen Sohn, nach dem der barmherzige Vater monatelang Ausschau hält, ob er nicht zurückkommt. Hoffen wir, dass wir im Jahr der Barmherzigkeit aus diesem Geist heraus Gottes Barmherzigkeit in unser Herz aufnehmen und als Licht in unsere Welt hineintragen.