Erstellt am 17. November 2015, 06:28

von Martin Gebhart

Stadler pokert hoch. Martin Gebhart über Wahl des St. Pöltner Bürgermeisters und SPÖ-Landesparteivorsitzenden zum Bezirksvorsitzenden.

Matthias Stadler hat sich einiges vorgenommen. Der St. Pöltner SPÖ-Bürgermeister ist seit der Landtagswahl 2013 auch Landesparteivorsitzender. Eine Kombination, die für sich bereits eine politische Herkules-Aufgabe bedeutet. Seit vergangenen Freitag ist er jetzt aber auch noch SPÖ-Vorsitzender des Bezirkes St. Pölten. Eine Aufgabe, die genauso wenig im Vorbeigehen bewältigt werden kann. Und das alles vor der Landeshauptstadtwahl im Jahr 2016, bei der er seine absolute Mehrheit verteidigen muss.

Die Delegierten der SPÖ trauen Stadler die Dreifach-Belastung zu. Sie haben ihn bei der Konferenz im ÖBB-Werk in St. Pölten mit 95,1 Prozent zum Nachfolger von Nationalratsabgeordneten Anton Heinzl gewählt. Stadlers ehemaliger Chef in St. Pölten, Siegfried Nasko, betonte in seiner Wortmeldung, dass Stadler nie überfordert sei. Dennoch: Alle drei Ebenen – Stadt, Bezirk, Land – wollen bedient sein. Alle drei Ebenen erwarten sich eine Führung, die eine Richtung vorgibt und diese mit ihnen umsetzt. Das benötigt viel Zeit und Kraft und macht angreifbar, wenn auf einer Ebene der Parteiapparat nicht so geschmiert läuft, wie es die Funktionäre gerne hätten.

Die entscheidende Karte, mit der Matthias Stadler das alles vorerst einmal rasch entkräften kann, muss von ihm 2016 ausgespielt werden. Da wählt die Landeshauptstadt St. Pölten. Verteidigt Stadler klar seine absolute Mehrheit, wird er auch im Bezirk und im Land seine Position stärken und etwaige Kritiker zum Verstummen bringen. Schafft er das nicht, dann stehen speziell auf Landesebene innerparteilich wieder einmal turbulente Zeiten bevor. Immerhin muss erst einmal eine Spitzenkandidatin oder ein Spitzenkandidat für die Landtagswahl 2018 gefunden werden, für die oder für den die SPÖ-Funktionäre im ganzen Land laufen.