Erstellt am 13. Oktober 2015, 05:27

von Probst Maximilian Fürnsinn

Tod den Christen. Propst Maximilian Fürnsinn (Stift Herzogenburg) über die aktuelle Christenverfolgung.

Das Christentum ist die meist verfolgte Religion dieser Erde. Man schätzt, dass rund 100 Millionen Christen weltweit verfolgt, unterdrückt, getötet werden. Es gibt eine makabere Rechnung, dass nämlich alle fünf Minuten ein Christ wegen seines Glaubens stirbt. Die größte Christenverfolgung der Geschichte findet in unserer Zeit statt.

Auch in den islamisch geprägten Ländern des Nahen Ostens werden Christen benachteiligt, schikaniert, umgebracht. Bisweilen wird in manchen Teilen des Nahost-Raumes das Christentum sogar ausgerottet. Die Blutspur der IS-Milizen – mit Enthauptungen und Kreuzigungen – ist besonders himmelschreiend. Eigen- artigerweise war Saddam Hussein im Irak und ist Baschar al-Assad in Syrien eine gewisse Schutzmacht für christliche (und andere) Minderheiten. Erst vor wenigen Tagen hat deswegen der syrisch-orthodoxe Patriarch Ignatius Aphram II. Karim Assad verteidigt und ihm für den Schutz der Christen gedankt.

Es sind diese Bischöfe und Patriarchen des Nahen Ostens, die uns immer wieder auf die prekäre Situation der Christen aufmerksam machen. Mehr noch: Sie werfen uns vor, dass der christliche Westen auf diese Situation nicht eingeht, geschweige denn darauf reagiert. Von westlichen Medien wird das scheinbar bewusst verschwiegen und ignoriert. Ich behaupte sogar, dass es hier um eine tendenzielle Ausgrenzung geht.

Die Situation der Christen spielt auch eine Rolle in der aktuellen Flüchtlingsfrage. Es gibt Berichte, dass Christen sogar auf der Flucht benachteiligt werden – man denke hier an das Ringen um Plätze in Flüchtlingsbooten. Auch da sitzen die Christen – im wahrsten Sinn des Wortes – zwischen den Fronten. Bischöfe des christlichen Orients werfen uns auch vor, dass sich die Kirchen in unserem Land zu wenig um christliche Flüchtlinge kümmern. Wenn das manchmal geschieht, so wird sofort von „ideologischer“ Bevorzugung gesprochen. Diese Schelte mancher geht mir auf die Nerven. Denn kirchliche Hilfsorganisationen sind immer für alle Flüchtlinge offen.

Das Nebeneinander verschiedener starker religiöser Gruppen wird es künftig mehr bei uns geben. Das wird unser Land prägen. Es wird sich auch in der öffentlichen Wahrnehmung vieles verändern. Davor braucht sich aber niemand zu fürchten. Freilich, zu seiner eigenen Glaubensüberzeugung zu stehen – das wird notwendig sein.

Ich hoffe auch, dass muslimische Migranten durch die Begegnung mit christlichen Helferinnen und Helfern darauf einwirken, dass auch die Christen in den muslimischen Ländern gut behandelt werden.