Erstellt am 12. November 2015, 06:03

von Michael Proházka

Tue Gutes, ohne viel darüber zu reden. Abt Michael Proházka (Stift Geras) über stille Helfer, die sich nicht in den Mittelpunkt drängen.

Meinem geschätzten Mitbruder, Propst Maximilian von Herzogenburg, verdanke ich den Hinweis auf ein Statement des evangelischen Theologen Ulrich Körtner, der zur Unterscheidung zwischen einer Gesinnungs- und Verantwortungsethik – auch in der sehr diffizilen Diskussion um die Flüchtlingsproblematik aufgerufen hat.
Wir sind in unserer Gesellschaft sehr schnell geneigt, andere wegen ihrer Gesinnung zu verurteilen. Wir empören uns oftmals über Aussagen und Haltungen von Menschen, besonders dann, wenn sie der allgemeinen Gesinnung zu widersprechen scheinen. Verantwortliches Handeln kommt dann oft zu kurz oder wird nur marginal wahrgenommen.

Dabei braucht es Menschen mit Zivilcourage, die verantwortungsethische Lösungsansätze unterstützen und sich nicht von tagespolitischen Zwischenrufen einschüchtern lassen. Nur allzu oft verstehen es Polemiker, aus den Ängsten und dem Unbehagen der Menschen Kapital zu schlagen, ja diese Ängste verantwortungslos für eigene Zwecke auszunützen. Ebenso versuchen manche, sich die Erfolge auf die „eigene Fahne zu schreiben“, statt sinnvoll und effektiv mit allen Menschen guten Willens zusammenzuarbeiten.

Es sind gerade jene Menschen und Organisationen, die ohne mediales Begleitgetöse vor Ort konkrete Hilfe leisten und sich keine Belohnung oder öffentliche Anerkennung erwarten. Der Slogan „Tu Gutes und rede darüber“ klingt zwar gut, die Gutherzigkeit, die in die Auslage der Öffentlichkeit drängt, meint es aber zuallererst mit sich selbst gut!

Jesus lobt nicht umsonst das bescheidene Opfer der Witwe, die sich nicht wie die Pharisäer in den Mittelpunkt stellt, sondern ohne viel Aufheben gibt, was sie hat. Deshalb gelten mein Dank, mein Respekt und meine Anerkennung besonders jenen Menschen, denen es nicht wichtig erscheint, in der Öffentlichkeit für ihre Gesinnung und ihr Tun gelobt zu werden, sondern die vor Ort helfen, ohne viel zu fragen! Von der „Selbstverständlichkeit“ solcher guter Menschen lebt die Gesellschaft, nicht von der inszenierten guten Tat!