Erstellt am 09. September 2015, 15:27

von Matthäus Nimmervoll

Urlaub – heimkommen und zurückblicken. Abt Matthäus Nimmervoll (Stift Lilienfeld) über das Ende der Urlaubszeit und die Sehnsucht nach Heimat.

„Wo bist du denn im Sommer auf Urlaub gewesen?“ Eine beinahe unvermeidliche Frage in der Herbstzeit. Man braucht schon ein wenig Mut, wenn man dann sagt: „Wir haben mit den Kindern nur Tagesausflüge gemacht oder eine Woche an einem Badesee verbracht.“ Und es werden immer mehr Alleinerzieher, die antworten: „Wir sind zu Hause geblieben, wir konnten uns eine größere Reise nicht leisten.“

Viele Menschen – so sagt eine Statistik – antworten auf die Frage, was ihnen am besten nach der sommerlichen Reise in Erinnerung geblieben ist: Das Schönste an unserer Reise war das Wiederkommen. Für den einen ist es das hügelige Voralpenland oder ein besonderer Berggipfel, für andere wieder die abwechslungsreichen Kulturangebote für Touristen und Kurgäste. Ja, ich habe unlängst gelesen, dass es in Deutschland eine Stadt gibt, in der das Wiederkommen am schönsten ist: Bremen. Jeder hat so seine Lieblingsorte, wo er gerne wiederkommt, wenn er weggegangen ist.

Im Innersten eines jeden Menschen gibt es den Wunsch und die Sehnsucht nach Heimkommen, nach Heimat, Haus und zu Hause sein. Wir brauchen ein Obdach nicht nur für unseren Körper, sondern auch ganz besonders für unsere Seele. Mögen wir dann und wann auch gerne reisen und unterwegs sein, Tapetenwechsel betreiben, genauso wichtig ist für uns ein Ort, wo man uns kennt, wo wir einen Namen haben, Nähe und Geborgenheit erleben können. Das gilt gerade in unserer heutigen Zeit, wo viele unbehaust sind und mobil sein müssen. Sogar das Telefon ist davon nicht ausgenommen.

Vereinsamt, so heißt ein Gedicht von Friedrich Nietzsche. Die erste Strophe endet mit der Zeile: Wohl dem, der jetzt noch Heimat hat. Die letzte Zeile des Gedichtes lautet: Weh dem, der keine Heimat hat. Unsere moderne Technik hat es geschafft, in ganz kurzer Zeit riesige Entfernungen zu überwinden. Aber Nähe schafft sie dadurch nicht. Johann Wolfgang von Goethe meint: Zwei Dinge braucht der Mensch: Wurzeln und Flügel. Auch bei Schulgottesdiensten gibt es bisweilen dieses Thema: Halt mich fest und lass mich los.

Wer bringt das wirklich zusammen? Wem gelingt das tatsächlich, im passenden Augenblick? Festhalten und zugleich loslassen – das kann eigentlich nur einer ganz und gar: Gott. Und jeder, der mit ihm lebt und seine Freunde als göttliche Geschenke betrachtet.