Erstellt am 19. April 2016, 05:34

von Martin Gebhart

Verschiedene Gefühlswelten vor der Wahl in der ÖVP. Martin Gebhart über den kommenden Wahlsonntag und die interne Konkurrenz in der ÖVP.

Eine Partei und zwei völlig unterschiedliche Politik-Welten. In der Vorwoche war die Stimmung rund um die Österreich-Zentrale der ÖVP in der Lichtenfelsgasse in Wien eher getrübt. Wahrscheinlich wegen der vielen Meinungsumfragen, die ihren Kandidaten Andreas Khol bislang noch nie in einer möglichen Stichwahl um das Amt des Bundespräsidenten gesehen haben. Jedenfalls wurde nicht der Eindruck vermittelt, dass wirklich noch an einen Erfolg am 24. April geglaubt wird.

Wenige Stunden später das gegenteilige Bild in Grafenegg, wo die NÖ Volkspartei zur Wahlveranstaltung für Khol geladen hatte. Rund 2.000 Besucher waren gekommen, fast dreimal so viele wie beim österreichweiten Auftakt in Tirol. Und von schlechter Stimmung war dort keine Spur. Die besagten Meinungsumfragen waren auch kein Thema.

Wie so eine Diskrepanz möglich ist, wird nach der Bundespräsidentenwahl in der ÖVP ein Thema sein müssen, will sie jemals wieder auch österreichweit erfolgreich sein. Sprich: In welchen Bundesländern funktioniert der Parteiapparat und wo nicht. Und die Herausforderung „Nationalratswahl“ kann schneller da sein als erwartet, wenn die Hofburg-Wahl kommenden Sonntag tatsächlich schief geht. Wobei die SPÖ natürlich mit einer ganz ähnlichen Stimmungslage kämpft und ebenfalls nicht genau weiß, wie sie mit einer möglichen Niederlage von ihrem Kandidaten Rudolf Hundstorfer tatsächlich umgehen soll. Der Wiener Landesparteitag hat am Samstag ja gezeigt, in welcher politischen Hochschaubahn die Kanzlerpartei derzeit unterwegs ist.

Doch zurück zur ÖVP: Da hat die niederösterreichische Rochade von Johanna Mikl-Leitner in die NÖ Landesregierung und Wolfgang Sobotka in das Innenministerium bei der steirischen ÖVP für einigen Wirbel gesorgt, zumindest bei Landesrat Christopher Drexler. Die ÖVP dürfe nicht bloß die verlängerte Werkbank für St. Pölten sein, tönte er. Wobei er erstens damit ziemlich allein blieb, weil keine andere Landesorganisation auf diesen Kritik-Zug aufsprang und in sein Wehklagen einstimmte. Und zweitens wird er nun beweisen müssen, dass die steirische ÖVP für Andreas Khol ein besseres Ergebnis herausholt als die von ihm kritisierten Niederösterreicher. Weswegen der kommenden Wahlsonntag wohl auch ein ÖVP-internes Match der Landesorganisationen werden wird.