Erstellt am 13. November 2015, 13:57

von Lilly Sommer

Vertrauen und Schule. Ein Widerspruch?. Gedanken von Lilly Sommer über - oftmals fehlendes - Vertrauen und Ermutigen im Klassenzimmer und im Schulalltag.

Vertrauen ist für mich eine unerlässliche Basis im Zusammenleben mit meinen Kindern . Gepaart mit Respekt ist Vertrauen das Fundament unserer Familie. Es ist mir wichtig, dass meine Kinder Vertrauen haben: Vertrauen zu mir, Vertrauen zu sich selbst und auf ihre eigenen Fähigkeiten, Vertrauen zum Leben. Vertrauen zu haben, das bedeutet auch, sich etwas zuzutrauen, sich zu trauen, etwas zu tun, mutig zu sein, seine Grenzen herauszufinden und manchmal zu erweitern, etwas dazuzulernen, seine Fähigkeiten zu vertiefen.
 
In der Schule (ich rede jetzt nur von der Volksschule meiner Kinder, nicht allgemein, denn es gibt phantastische Schulen und hervorragende Lehrer, die echte Vorbilder sind und mit Freude ihrer Berufung folgen, anstatt einfach einen Job zu machen), so merke ich leider immer wieder, wird das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten oft verhindert, weil den Kindern immer vor Augen gehalten wird, was sie nicht können und nicht dürfen.

Bei Ansagen steht nur die Fehleranzahl darunter, natürlich in rot geschrieben; manchmal werden ganze Seiten durchgestrichen und enden mit dem Befehl: „Nochmals!“ Dies natürlich wieder in rot und ohne jeglichen Respekt. Sehr motivierend ist das nicht, aber das scheint ja auch nicht das Anliegen der Lehrer zu sein. Ihnen scheint es unwichtig, ob die Kinder Freude am Lernen haben, solange sie die geforderten Leistungen erbringen. Und bitte nur die geforderten Leistungen, bitte keine Zusatzübungen verlangen in Fächern, die sie wirklich interessieren.

Für Kreativität scheint in dieser Schule kein Platz zu sein und Individualität ist schlichtweg unerwünscht. Aber das ist, als würde ein Gärtner bloß rote Rosen in seinem Garten züchten und alle anderen Blumen ausreißen und achtlos wegwerfen; dies ist, als ob dieser Gärtner versuchen würde, krampfhaft versuchen würde, aus Sonnenblumen Rosen zu machen, indem er ihre Blütenblätter beschneidet und danach rot anmalt. Würden wir so einen Gärtner sehen, wir würden ihn schlichtweg für verrückt erklären!

Stell dir das einmal vor? Dieser Gärtner steht in seinem Garten, umgeben von ein paar echten Rosen und vielen verkrüppelten Sonnenblumen, Tulpen, Nelken, … Tagtäglich geschieht dieser Wahnsinn an unseren Schulen, geschieht mit unseren Kindern!
 
In der Schule wird dieses absurde Verhalten der Lehrer toleriert; zum Teil aus Mutlosigkeit (weil man ja weiß, dass der Lehrer am längeren Ast sitzt), zum Teil aus Bequemlichkeit (ach, es ist doch nur Schule, das geht auch vorbei), zum Teil aus Zeitmangel (weil so viele andre Dinge noch erledigt gehören, die im Moment wichtiger zu sein scheinen), … Es gibt fast endlose Gründe, um sich mit einem wichtigen Thema nicht auseinandersetzen zu müssen. Doch dann frage ich mich, wohin das führt?

Welches Vorbild bin ich meinen Kindern, wenn ich den Mund nicht aufkriege? Wenn ich tausend Ausreden habe, nur um nicht unbequem zu sein? Unbequem ist es der Schule natürlich, wenn da so eine Mutter wie ich daherkommt und meint, sie weiß es besser. Das ist die Sicht der Lehrer, doch mir geht es nicht darum, etwas besser zu wissen, sondern den Sinn gewisser Vorschriften zu hinterfragen und die Wichtigkeit der Individualität zu betonen. Jedes Kind kann einen wertvollen Beitrag zur Klassengemeinschaft leisten, jedes Kind ist ein einzigartiges Wesen, das in eben dieser Einzigartigkeit wahrgenommen werden will.

Ich sage meinen Kindern, wenn ihr etwas nicht versteht, fragt nach; wenn euch der Sinn einer Vorschrift nicht klar ist, lasst ihn euch erklären. Hinterfragt die Dinge! Nehmt nicht alles kritiklos hin! Bildet euch eure eigene Meinung! Werdet keine Marionetten, die von anderen gelenkt werden!
 
In diesem ganz alltäglichen Schulwahnsinn gibt es allerdings eine tröstliche Aussage von Yesper Yuul, der sinngemäß gesagt hat, dass kein Kind einen größeren Schaden durch die Schule erleidet, solange es zuhause entsprechende Unterstützung erfährt.
 
Wenn schon die Schule kein Ort des Vertrauens und der Ermutigung ist, dann sollten wir als Eltern besonders darauf achten, unsere Kinder zu stärken und zu ermutigen, damit sie eben auch mit schwierigen Situationen und Menschen zurechtkommen. In diesem Sinne lernen meine Kinder auch an ihrer Schule wirklich etwas fürs Leben.
 
Wieder zurück zum eigentlichen Thema: Vertrauen.

Auch wir Eltern übersehen manchmal in der Hektik des Alltags, wenn wir zum x-ten Mal über die Schuhe unserer Kinder stolpern oder im Kinderzimmer vor lauter Unordnung der Teppich nicht mehr zu sehen ist, die Einzigartigkeit dieser wunderbaren Wesen, die uns anvertraut sind. Sie vertrauen uns blind; das hat meine Tochter eindeutig bewiesen, als sie im zarten Alter von 2 Jahren auf die Rutsche geklettert ist und dann aber nicht wie vorgesehen, hinuntergerutscht ist, nein, sie ist gesprungen.

Der kleine Zwerg stand oben auf der Rutsche und – schwupps – war sie in der Luft. Ich stand daneben, habe mit einer Freundin geplaudert und gerade noch aus dem Augenwinkel wahrgenommen, dass da mein kleiner Wirbelwind durch die Luft fliegt. Zack! Umgedreht! Gefangen! Wie lustig war das für mein experimentierfreudiges Töchterlein. 

Manchmal – sei es in Ärger, Frust oder dem ganz normalen Alltagswahnsinn – halte ich inne   und bin -  nebst all den andren Emotionen, die mich vielleicht gerade beuteln – einfach dankbar.
Dankbar, weil ich 2 wunderbare Kinder habe.

Dankbar, weil wir ein Dach über dem Kopf haben und ein paar bunte Wände noch dazu.
Dankbar, weil ich viel von meinen Kindern lernen kann (den Moment genießen, sich nicht aus der Ruhe bringen lassen, Verzeihen: jawohl, was die beiden sich gegenseitig an Beschimpfungen verzeihen ist schon beachtlich, aber das würde jetzt zu weit führen …)
Dankbar, dass sie mir ihr Vertrauen schenken; ja, sie verschenken es; ich musste es mir nicht verdienen. Es ist ihr Geschenk an mich.
 
Dann sage ich: Du bist so wunderbar genau so wie du bist. Ich bin dankbar, deine Mama zu sein. Du bist eine Bereicherung für mein Leben. Schön, dass es dich gibt! 


manchmal zeigen uns menschen
den weg
zu einer tür
hinter der uns wunderbares erwarten könnte
vielleicht
gehen sie sogar
ein paar schritte in die richtige richtung mit uns
aber dann bleiben sie stehen
denn ihr weg führt in eine andere richtung
nun stehen wir da
trauen wir uns zu
den letzten teil des weges alleine zu gehen
wir können die tür schon sehen
aber was erwartet uns dahinter
es macht uns angst
zu wissen
dass es keinen weg zurück gibt
sobald wir diese tür geöffnet haben und hindurch gegangen sind
es macht uns angst
nicht zu wissen
was uns erwartet
dahinter
hinter dieser tür
gehen wir hin
öffnen wir sie
trauen wir uns
vertrauen wir dem leben
vertrauen wir uns
u r v e r t r a u e n
gegen
urangst
 
wer ist diesmal stärker