Erstellt am 09. Februar 2016, 04:38

von Petrus Pilsinger

Was ist der Mensch?. Abt Petrus Pilsinger OSB (Stift Seitenstetten) über das Fasten als Stück Menschwerdung.

Zu dieser Frage stellt die Bibel ganz nüchtern fest: Der Stoff ist „Staub vom Erdboden“ (Gen 2,7) – also nicht himmlisch, sondern irdisch! Auch die Liturgie mit dem Aschenkreuz ruft uns das ins Bewusstsein: „Bedenke, Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst.“

Angesichts der räumlichen Unendlichkeit und des zeitlichen Alters des Universums, sind wir Menschen Eintagsfliegen, die für einen Bruchteil einer Sekunde auf einem Stäubchen im Universum auftauchen.
Was ist der Mensch? „Ein Nichts gegenüber dem All, ein All gegenüber dem Nichts.“ So sagt es der große Christ und Naturwissenschaftler Blaise Pascal am Beginn der Neuzeit!

Materiell gesehen könnte man meinen, wir seien null und nichtig, hätten wir da nicht den Geist Gottes empfangen, wäre da nicht sein Atemhauch, der uns belebt und mit Leben erfüllt (Gen 2,7).
Die kommende Fastenzeit ist uns geschenkt als Zeit der Selbstfindung. Als bewährte Mittel dafür nennt die Kirche Beten, Fasten und Almosen geben.

Beten: Der Mensch erkennt sein Gesicht nicht vom Schauen in den Spiegel, sondern weil Gott ihn liebevoll anschaut und ihm seinen Geist einhaucht. Das verleiht ihm göttliche Würde. In Gebet und Meditation begegnet der Mensch seinem Schöpfer und erkennt ihn. Das führt zu Dankbarkeit.

Fasten tut nicht nur dem Leib gut, es schenkt dem gelegentlich trägen Körper Vitalität und Lebenskraft, sodass die Seele Freude hat, in ihm zu wohnen.

Almosen geben: Mensch sein kann man nicht allein. Das Menschsein ist gebunden an Gemeinschaft und Begegnung. Wer Mensch werden will, darf den Nächsten nicht vergessen, am wenigsten dann, wenn der in Not ist.

So könnte unsere Fastenzeit mit Beten, Fasten und Almosen geben ein wunderbares Stück Weg zur Menschwerdung sein.