Erstellt am 10. März 2016, 05:24

von Probst Maximilian Fürnsinn

Wieder beichten!. Propst Maximilian Fürnsinn (Stift Herzogenburg) über Heilung durch die Gewissenserforschung.

Papst Franziskus ruft im „Jahr der Barmherzigkeit 2016“ immer wieder auf, sich mit Gott und den Menschen zu versöhnen. In diesem Zusammenhang verweist der Papst auf die Wichtigkeit des Sakramentes der Buße. Den deutschen Bischöfen hat er bei einem Rom-Besuch die Bitte mitgegeben, dass dieses wichtige Sakrament in den Pastoralplänen der Diözesen und Pfarren berücksichtigt wird.

Beichte ist für viele Christen ein Fremdwort geworden. Sünde auch. Diese Worte werden in die Sprachkiste überholter Begriffe abgelegt. Wenn diese Worte verwendet werden, dann in einschlägigen Kombinationen: Verkehrssünder, Diätfehler, menschliches Versagen, Steuer- oder Umweltsünden. Sünde und Schuld schwinden aus dem Bewusstsein des modernen Menschen. Man macht sich darüber noch lustig und belächelt Menschen, die sich tiefer mit Sünde auseinandersetzen und zur Beichte gehen.

Wenn heute wieder verstärkt zum Empfang des Sakramentes der Buße aufgefordert wird, dann ist das nicht nur ein kirchliches Anliegen, sondern hat auch einen gesellschaftlichen Hintergrund. Ohne Schuld- und Sündenbewusstsein, ohne Vergebungsbedürftigkeit und Vergebungsbereitschaft, ohne „Reinigung des Herzens und des Denkens“ können eine gute Kultur des Zusammenlebens und ein menschliches und soziales Klima nicht gelingen. Warum nimmt Aggressivität zu? Warum wächst eine gewisse soziale Wurschtigkeit, nehmen Verantwortungsschwäche, Orientierungslosigkeit und dumpfe Ängste zu? Und verschwimmen uns nicht insgesamt die Grenzen zwischen Gut und Böse immer mehr?

Der Papst fordert eine Erneuerung der Beichtpraxis. Dazu gibt er ein paar wichtige Hinweise. So sei dieses Sakrament belastet, weil es in der Vergangenheit oft als Machtinstrument benützt wurde, das Menschen nicht befreit, sondern oft auch krank gemacht hat. Im Originalton sagt der Papst: „Beichte muss eine Begegnung mit der heilenden Barmherzigkeit Gottes sein. Die Beichte helfe, sich immer wieder neu zu vergewissern – also das Gewissen zu befragen – ob mein Leben bis in die alltäglichen Vollzüge hinein dem entspricht, was die Gemeinschaft mit Jesus Christus erfordert. Beichte ermögliche eine Heilung, die mir zugesagt und geschenkt wird.“

Deshalb: Wieder beichten!