Erstellt am 01. Dezember 2015, 05:43

von Bernhard Schiesser

Zurück zum Start. Bernhard Schiesser über den Bauchfleck von Austria Salzburg und die Konsequenzen für die Bundesliga.

"Auswärtssieg" skandierten die knapp 500 mitgereisten Austria-Salzburg-Fans beim Pausenstand von 1:6 in der NV Arena. Humor bewiesen die Mozartstädter am Freitag reichlich, auch Galgenhumor. "Nie mehr zweite Liga", singen Fans normalerweise nur, wenn sie auf dem Weg nach oben sind. Die Salzburger ließen sich trotz Fixabstieg zur Saisonhalbzeit nicht die Laune verderben.

Der Bundesliga bleibt allerdings das Lachen im Hals stecken. Zu Recht, ist doch eines ihrer Mitglieder insolvent und damit gefährdet, mitten in der Saison den Spielbetrieb einstellen zu müssen. Ob das 6:2 der St. Pöltner überhaupt in der Wertung bleibt, ist nicht gewiss.

Für das Image der Liga ist das verheerend, zumal der österreichische Profifußball dachte, finanzielle Bruchlandungen dieser Art hinter sich zu haben. Die Bundesliga heftete sich genau das bis vor kurzem auf ihre Fahnen und verwies auf das tadellos funktionierende Lizenzierungsverfahren. Vorstand Christian Ebenbauer & Co. riefen deshalb eine Infrastruktur-Offensive als nächstes großes Etappenziel aus. Der Salzburger Bauchfleck erinnert an das Spiel „Mensch ärgere dich nicht“. Wenn es einen schmeißt, dann heißt es zurück an den Start. Auch wenn es mühsam ist, wird die Bundesliga ihr Lizenzierungsverfahren nachschärfen müssen.

Die Hauptschuld am Desaster liegt freilich bei den Salzburgern. In der Aufstiegseuphorie gingen mit so manchem Vereinsfunktionär die Pferde durch. Anders ist nicht zu erklären, warum allein die Kosten für die Mannschaft um 300.000 Euro mehr ausmachen sollen als in den Lizenzunterlagen angegeben war. Für Abhilfe könnte in Zukunft ein monatlicher Check der Finanzen bei Liganeulingen sorgen. Der SKN St. Pölten bekam aufgrund von Altlasten über Jahre hinweg die Lizenz nur mit der Auflage, dass ihm monatlich auf die Finger gesehen wird. Ähnliches hätte die Salzburger Insolvenz wohl verhindert.