Erstellt am 24. Mai 2016, 06:34

von Teresa Sturm und Anita Kiefer

50:50 – Staunen bei FPÖ und Grünen. Nach den ersten Hochrechnungen freute sich FPÖ über blauen Sieg in NÖ, die Grünen über gelungenen Wahlkampf.

Bei den Grünen erwarteten Helga Krismer und Hikmet Arslan die Ergebnisse. Im Klub der NÖ Freiheitlichen waren Christian Hafenecker (v. l.), Gottfried Waldhäusl, Walter Rosenkranz und Christian Höbart optimistisch (mit im Bild Franz Brandstetterer, NÖ Landesregierung).  |  NOEN, Erich Marschik

Angespannt, überrascht und leicht resigniert. So lässt sich die Stimmung in den Klubräumlichkeiten von FPÖ und Grünen am Sonntag nach der Hochrechnung um 18 Uhr beschreiben.

Zu diesem Zeitpunkt stand es gemäß Hochrechnung genau 50 zu 50 Prozent zwischen den beiden Bundespräsidentschaftskandidaten Norbert Hofer und Alexander Van der Bellen.

Waldhäusl: „Ein sehr respektables Ergebnis“

Vorsichtig optimistisch gaben sich jedenfalls beide Parteien. Und selbst dem Szenario, dass der jeweilige Präsidentschaftskandidat nicht in den kommenden sechs Jahren österreichischer Bundespräsident sein könnte, konnten beide Parteien etwas Positives abgewinnen.

„Wenn ich mir denke, dass alle anderen gegen einen kämpfen, dann ist das ein sehr respektables Ergebnis“, so FPÖ-Klubobmann Gottfried Waldhäusl kurz nach 18 Uhr. Und in Niederösterreich habe sowieso Hofer das Match für sich entschieden. „Ich habe ein gutes Gefühl.“ Ob Norbert Hofer das Duell gewinnt? „Auf alle Fälle“, erklärt Waldhäusl noch am Abend. Und wenn nicht, habe man einen Mann in der Politik, der „Lieblingsminister“ der Österreicher werden wird.

„Ich bin Optimist“, zeigt sich Christian Höbart, Landesparteiobmann der FPÖ Niederösterreich, siegessicher. Außerdem hätte man – egal, wer Bundespräsident wird – mit dem freiheitlichen Kandidaten die Hälfte Österreichs begeistern können, so Höbart.

Voller Lob für ihren Kandidaten – wenn auch vielleicht nicht ganz so siegessicher – waren auch die Niederösterreichischen Grünen am Wahlabend. „Im Moment schaut es eher für uns aus. Es ist jedenfalls ein hochspannender politischer Abend“, konstatierte die Grüne Klubobfrau Helga Krismer am Sonntag ebenfalls kurz nach 18 Uhr. „Wir glauben und hoffen, dass alles möglich ist.“ Man habe gesehen, dass Norbert Hofer tendenziell am Land stärker sei. „Wir sind froh, dass der Gap nicht größer ist“, so Krismer. Sie war jedenfalls sicher, dass ein exportorientiertes Land wie Niederösterreich einen Präsidenten braucht, der den Export stärke, betonte Krismer.

Arslan: „Er hat besseres Amtsverständnis“

Hikmet Arslan, Landesgeschäftsführer der Grünen NÖ, betonte, dass Van der Bellens Wahlkampf Früchte getragen habe. „Er hat gezeigt, dass er ein besseres Amtsverständnis hat, dass er Österreich besser im Ausland vertreten kann und dass er eine proeuropäische Haltung hat.“

Arslan freue sich, dass Van der Bellen in Niederösterreich den Spalt zu Norbert Hofer verkleinern konnte. Gerade in ländlicheren Regionen gebe es noch Vorurteile gegenüber den Grünen, die es abzubauen gelte, sagte Arslan. Das Image, dass man die Grünen nicht wählen könne, stimme jedenfalls nicht mehr.

Auf eine Prognose ließ sich der Grüne Landesgeschäftsführer nicht ein. „Es geht nur um ein paar Tausend Stimmen – das kann man nicht sagen.“ Aber: „Hoch wermas net gwinnen.“


ZITIERT

„Wir haben gesehen, dass Hofer am Land stark ist und sind somit sehr froh, dass die Kluft in Niederösterreich nicht so weit auseinanderliegt.“
Helga Krismer, Klubobfrau NÖ Grüne

„Ich bin stolz auf die Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher, dass 47 Prozent Van der Bellen ihre Stimmen gegeben haben.“
dieselbe

„Ich glaube wirklich, dass es auf die Wahlkarten ankommt, und bin optimistisch, dass der Präsident Van der Bellen heißt.“
dieselbe

„Noch nie lagen Sieg und Niederlage so nahe beieinander.“
dieselbe

„Wir haben in Niederösterreich aber auch gute Ergebnisse, wo wir mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit gewonnen haben.“
Hikmet Arslan, Landesgeschäftsführer Grüne Niederösterreich

„Das zeigt, dass Wahlkampf von Van der Bellen funktioniert hat.“
derselbe

„Niederösterreich hat jedenfalls ein klares Signal für Norbert Hofer gesetzt.“
Walter Rosenkranz, Landesparteiobmann FPÖ NÖ

„Wenn Hofer nicht gewinnt, dann haben wir einen Mann in der Politik, der einmal ein Lieblingsminister der Österreicher werden wird.“
Gottfried Waldhäusl, Klubobmann FPÖ Niederösterreich

„Es ist auf jeden Fall beachtlich zu sehen, dass Van der Bellen aufgeholt hat. Das ist ein Riesenerfolg.“
Hikmet Arslan, Landesgeschäftsführer Grüne NÖ

„Wir haben mit dem klaren Parteikandidaten Norbert Hofer die Hälfte der Wähler begeistert und gezeigt, dass wir eine staatstragende Partei sind und Funktionen übernehmen können.“
Christian Höbart, Landesparteiobmann FPÖ NÖ

„Es war jedenfalls ein grandioser Erfolg, auch wenn wir nicht gewinnen.“
derselbe