Erstellt am 18. Juli 2017, 05:56

von Martin Gebhart

Die politische Welt von Georg Strasser. Der Nöchlinger Georg Strasser folgt Jakob Auer als Bauernbund-Präsident. Viele sehen in ihm den neuen, modernen Bauernbund-Politiker.

Georg Strasser mit seinem Vorgänger als Präsident des österreichischen Bauernbundes, Jakob Auer aus Oberösterreich.  |  NOEN, APA

Als rund um die Nachfolge von Jakob Auer als Präsident des ÖVP-Bauernbundes der Name Georg Strasser erstmals auftauchte, reagierten viele überrascht. Natürlich war der 46-jährige Landwirt innerparteilich bekannt, speziell in Niederösterreich. Doch im Spektrum der allgemeinen Polit-Öffentlichkeit war der Nationalratsabgeordnete und Bürgermeister der Gemeinde Nöchling im Bezirk Melk noch nicht wirklich verankert.

Seit der Vorwoche ist das anders. Da wurde nun offiziell bekannt gegeben, dass Georg Strasser dem Oberösterreicher Jakob Auer nachfolgen wird. Eine der ersten Gratulationen kam vom neuen ÖVP-Bundesparteiobmann Sebastian Kurz: „Strasser ist ein junger, motivierter Vertreter des ländlichen Raumes und der heimischen Landwirtschaft.“ Der Nöchlinger hatte Kurz übrigens vor wenigen Jahren bei einem Fest in Hofamt-Priel kennengelernt. Daraus sei auch ein „freundschaftliches Verhältnis“ entstanden, so Georg Strasser.

Leopold Figl als politisches Vorbild

Dabei hatte Strassers Polit-Karriere eher zufällig begonnen. Im Jahr 2005 zog er in den Nöchlinger Gemeinderat ein, „weil mich am KirchenZur Person Georg Strasserplatz eine Gemeinderätin gefragt hatte“. Vier Jahre später war er bereits Bürgermeister seiner Heimatgemeinde. Seine politische Sternstunde folgte dann 2013, als er bei der Nationalratswahl für die ÖVP kandidierte. Als Nachfolger des großen Karl Donabauer. Auf Strasser aufmerksam gemacht hatte damals Landtagsabgeordneter Karl Moser, erinnert sich NÖ Bauernbundobmann Hermann Schultes. Das Ergebnis: Strasser zog mit über 16.000 Vorzugsstimmen in den Nationalrat ein und sorgte damit österreichweit für Aufsehen.

Seine politischen Grundsätze sind einfach: „Wer im Sinne der Menschen arbeitet, wird als erfolgreicher Politiker wahrgenommen.“ Und: „Die Mechanismen, wie politisch orientierte Menschen zusammenarbeiten, ist im Parlament gleich wie in der kleinen Gemeinde.“ Und: „Wichtig ist, dass sich Menschen um die Interessen der Leute annehmen.“ Ungewöhnlich ist dabei, dass er als doch junger Politiker Leopold Figl als Vorbild hat. Strasser: „Mich fasziniert, wie er Bauernpolitik als auch Gesellschaftpolitik gemacht hat.“ Wobei er speziell seine Inhaftierung in einem Konzentrationslager unter der Nazi-Herrschaft anspricht. „Das hat mich bewegt“, so der VP-Mandatar.

Als neuer Bauernbund-Präsident will Georg Strasser vor allem zwei Ziele verfolgen. Eines für die Bauern selbst, „um in einem der reichsten Länder der Welt auch den Bauern den fairen Anteil am Kuchen zu sichern“. Zweitens: Die vielen Bauernbundpolitiker auf allen politischen Ebenen als „Säule für die Menschen in Österreich“ nutzen.

„Strasser ist kein Spontanpolitiker“

Georg Strassers Parteikollegen beschreiben ihn als Politiker mit Durchsetzungsvermögen, der gezielt an seinem politischen Weiterkommen gearbeitet habe. Für Hans Rädler, Sprecher der NÖ Fraktion der ÖVP im Nationalrat, ist Strasser „ein Zeichen für den Aufbruch im Bauernbund“. Für NÖ Bauernbundobmann Hermann Schultes verkörpert er einen Politiker, der „die heutige Lebenswelt im ländlichen Raum symbolisiert“. Nachsatz: „Er ist einer, der den Konsens sucht, der sehr überlegt handelt. Er ist kein Spontanpolitiker.“ Er habe sich mit dieser Art auch am Wiener Pflaster zurechtgefunden.

VP-Agrarlandesrat Stephan Pernkopf ist mit Georg Strasser in Wieselburg ins Gymnasium gegangen: „Durch seine unkonventionelle Art ist Strasser bei den Leuten sehr beliebt.“

Im Nationalrat war Georg Strasser der Familiensprecher seiner Partei. In dieser Funktion hat er auch den Familienausschuss geleitet. Eine „hoch kontroversielle Angelegenheit“, so der ÖVP-Mandatar.

Im diesem Ausschuss waren auch zwei NÖ Politikerinnen von SPÖ und FPÖ. Deren Urteil über Strasser: „Wir waren familienpolitisch nicht immer einer Meinung, es waren dennoch immer ganz witzige Gespräche“, so die Schwechater SPÖ-Abgeordnete Katharina Kucharowits. Man habe auch einiges geschafft, etwa den Unterausschuss für Kinderrechte und Jugendpartizipation. FPÖ-Nationalratsabgeordnete Barbara Rosenkranz attestiert Georg Strasser, dass er den Ausschuss sehr korrekt geführt habe, „auch wenn das Familienbild der ÖVP ein Jammer ist“.

Übrigens: Dass er jetzt unter Bundesparteiobmann Sebastian Kurz als Bauernbund-Präsident weniger Einfluss hätte als seine Vorgänger, sieht Strasser nicht so. Er steht zu den neuen Rechten, die Kurz am Bundesparteitag erhalten hat. Er spüre sogar einen Aufbruch im Bauernbund, „weil Kurz führt nicht nur, er hört auch zu“.