Erstellt am 05. Dezember 2017, 02:25

von Walter Fahrnberger

NÖ braucht Master & Meister. 21 Maßnahmen für den Arbeitsmarkt von 2018 bis 2020. Investition: 1,3 Milliarden Euro.

Unterzeichneten den NÖ-Beschäftigungspakt (v. l.): Landesstellenleiter Manfred Rötzer (Sozialministeriumservice NÖ), Landesschulratspräsident Johann Heuras, AMS-Landesgeschäftsführer Karl Fakler, Präsident Thomas Salzer (Industriellenvereinigung NÖ), Präsidentin Sonja Zwazl (WKNÖ), Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, Landesrat Karl Wilfing, Präsident Markus Wieser (AKNÖ) und Präsident Alfred Riedl (Gemeindebund).  |  NLK Burchhart

„Menschen in der Beschäftigung zu halten und Arbeitslose wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren.“ Das sind für Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) wesentliche Ziele in den kommenden Jahren.

Deshalb hat das Land gemeinsam mit den Sozialpartnern, dem Arbeitsmarktservice (AMS) und dem Landesschulrat einen Beschäftigungspakt für Niederösterreich unterzeichnet. Dieser enthält 21 konkrete Maßnahmen für den Arbeitsmarkt. 1,3 Milliarden Euro sollen dafür in den Jahren 2018 bis 2020 investiert werden. 535 Millionen sollen alleine schon im kommenden Jahr für arbeitsmarktpolitische Maßnahmen ausgegeben werden.

Wesentliche Punkte dabei sind Initiativen, mit denen Basisausbildungen sowie Pflichtschulabschlüsse nachgeholt werden können. Einen besonderen Schwerpunkt bildet dabei die Lehre.

"Die Lehre ist ein guter Boden für eine Karriere"

Wie der Fachkräftemonitor zeige, werden im Jahr 2030 um 34.000 Fachkräfte weniger zur Verfügung stehen. Daher sollen schon jetzt konkrete Maßnahmen helfen, dem entgegenzuwirken. Vor allem brauche es ein Umdenken in der Gesellschaft. „Die Lehre ist ein guter Boden für eine Karriere“, sagt Mikl-Leitner und fordert eine Abkehr von der überbordenden Akademisierung. Es brauche „Master und Meister“. AMS-Chef Karl Fakler will in den kommenden Jahren aufgrund des prognostizierten Wirtschaftswachstums von 2,9 Prozent (2017) Chancen nutzen: „Wenn die Wirtschaft wächst und die Arbeitslosigkeit sinkt, werden wir eine steigende Nachfrage an Arbeitskräften haben.“

Fakler spricht dabei auch die Notwendigkeit des lebenslangen Lernens an. Die Halbwertszeit von technischem Wissen werde immer kürzer. Das Know-how könne mittlerweile oft schon nach drei bis fünf Jahren obsolet sein. Daher zählt neben Jugendcoaching, Bildungsberatung und -förderung auch die Sensibilisierung für die berufliche Weiterbildung zum Maßnahmenpaket.

NÖ Arbeiterkammerpräsident Markus Wieser verwies auf das Projekt „Du kannst was“, das in ausgewählten Berufen wie Koch, Metallbearbeitung oder Logistik das unbürokratische und vereinfachte Nachholen des Lehrabschlusses bei vorhandener Qualifikation ermöglicht.

Neue Gliederung der Lehre gefordert

Passend dazu kommt auch die Forderung des NÖAAB, um die Lehre zu stärken. Dort will man den ehrgeizigen Lehrlingen zusätzliche Module anbieten. „Zum Beispiel soll es schon in der Lehre möglich werden, einen Befähigungsnachweis für die Unternehmungsführung zu erwerben“, meint NÖAAB-Geschäftsführerin Sandra Kern. Andererseits soll eine „Abschlussprüfung light“ eine Basisausbildung bestätigen. Später kann der Lehrabschluss nachgemacht werden. Das hilft jenen 20 Prozent, die den Lehrabschluss nicht schaffen.