Erstellt am 14. September 2015, 05:07

von Martin Gebhart

Betroffene Regionen sehen die Auflösung positiv. Einige Gemeinden wollen noch diskutieren, ob sie dem „richtigen“ Bezirk zugeordnet worden sind.

 |  NOEN, zvg

Ähnliche Proteste wie in Klosterneuburg gab es wegen der geplanten Auflösung von Wien-Umgebung in kaum einer anderen Gemeinde des Bezirks. Dort wird teilweise mehr darüber diskutiert, ob man dem „richtigen“ Bezirk zugeordnet worden ist. So plant Gerasdorf eine Volksbefragung mit den Bezirks-Optionen Korneuburg, Mistelbach und Gänserndorf. Im Plan der Landesregierung soll die Stadt zu Gänserndorf kommen. In Wolfsgraben berät der Gemeinderat diese Woche darüber, ob es nicht sinnvoller ist, dass man statt in den Bezirk St. Pölten in die Region Mödling eingegliedert wird.

Pressbaums ÖVP-Bürgermeister Josef Schmidl-Haberleitner jedenfalls hat kein Problem damit, dass es Wien-Umgebung nicht mehr geben wird. „Wir werden uns künftig beispielsweise die langen Anfahrtswege ins Krankenhaus nach Tulln oder nach Klosterneuburg ersparen. Außerdem funktioniert die öffentliche Anbindung nach St. Pölten besser.“

Klarerweise positiv reagierte man in jenen Bezirken, die nun größer werden. So erhofft sich etwa SPÖ-Bürgermeister Richard Hemmer aus Bruck an der Leitha, dass auch seine Stadt davon profitieren wird, dass etwa Schwechat zum Bezirk Bruck kommt. Hemmer: „Ich finde die Entscheidung gut. Das bringt gewisse Perspektiven für Bruck mit sich. Dass die Bezirkshauptmannschaft in Bruck bleiben soll, halte ich für absolut richtig. Logistisch und geographisch hat Bruck dafür die ideale Lage, weil es künftig ja wirklich im Zentrum des Bezirks liegen wird. Ich erwarte mir davon mehr Menschen und mehr Verkehr in der Stadt.“

Mehr diskutiert wird im Bezirk Tulln über die Angliederung der Stadt Klosterneuburg. Tullns ÖVP-Bürgermeister Peter Eisenschenk glaubt an eine gute Zusammenarbeit: „Wenn eine Stadt wie Klosterneuburg zum Bezirk kommt, ist das natürlich eine Stärkung für die ganze Region. Von Stadt zu Stadt haben wir auch in der Vergangenheit immer wieder gut zusammengearbeitet, etwa bei der Umsetzung des gemeinsamen Nachtbusses nach Wien.“ Ähnlich sieht es Grafenwörths VP-Bürgermeister und Landtagsabgeordneter Alfred Riedl: „Wir haben ja viele Gemeinden aus dem westlichen Bezirk Wien-Umgebung schon bisher in unseren Verbänden, wie etwa dem GVA Tulln, betreut. Natürlich ist das jetzt ein gutes Signal in Sachen Verwaltungsreform und Effizienzsteigerung, das auch die Diskussion auf lokaler Ebene motivieren kann. Und durch eine Stadt wie Klosterneuburg wird der Bezirk Tulln beachtlich aufgewertet.“

Mit der Neugliederung grenzt der Bezirk St. Pölten direkt an Wien. St. Pöltens SPÖ-Bürgermeister Matthias Stadler: „Vielleicht bildet sich dadurch, dass der Bezirk dann an Wien angrenzt, eine noch stärkere Achse zwischen St. Pölten und Wien.“ Für die Bürger der betroffenen Gemeinden erwartet er sich „durchaus Vorteile und kürzere Wege als bisher“.


Die Zahlen

Bezirk Bruck an der Leitha: Derzeit hat der Bezirk Bruck 43.615 Einwohner, künftig wird er 86.354 haben. Neu dazu kommen: Schwechat, Ebergassing, Fischamend, Gramatneusiedl, Himberg, Klein-Neusiedl, Moosbrunn, Rauchenwarth, Schwadorf und Zwölfaxing.

Bezirk Gänserndorf: Hier wächst die Einwohnerzahl von 97.460 auf 107.908. Neu dazu kommen soll Gerasdorf.

Bezirk Mödling: Statt derzeit 115.677 wird er künftig 124.337 Einwohner zählen. Neue Gemeinden sind Lanzendorf, Leopoldsdorf, Maria-Lanzendorf.

Bezirk St. Pölten: Der Bezirk wächst von 97.365 auf 118.265 Einwohner. Dazu kommen Pressbaum, Purkersdorf, Tullnerbach und Wolfsgraben.

Bezirk Tulln: Mit der Eingliederung von Klosterneuburg macht dieser Bezirk den größten Einwohnersprung. Derzeit leben dort 72.104 Personen, künftig werden es 106.700 sein. Dazu kommen neben Klosterneuburg noch Gablitz und Mauerbach.