Erstellt am 13. Oktober 2015, 05:52

von Martin Gebhart

Nur Micky-Maus-Reform?. Hermann Helm ist Mitglied der Expertengruppe „Freiraum für Österreichs Schulen“. Er befürchtet, dass die Bundesregierung keine wirkliche Bildungsreform anbieten wird.

Hermann Helm  |  NOEN, Erich Marschik

Zu einer Sondersitzung hatten die Grünen in der Vorwoche die Parlamentarier verdonnert. Das Thema: die geplante Bildungsreform. SPÖ-Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek musste sich etlichen Fragen stellen lassen. Sie selbst äußerte sich aber zuversichtlich, dass die Bundesregierung am 17. November eine Reform auf den Tisch legen wird. Dass das ein echtes Paket sein wird, bezweifelt aber just jener Mann, der als Mitglied der Expertengruppe „Freiraum für Österreichs Schulen“ an einer Neuaufstellung entscheidend mitgearbeitet hatte: Hermann Helm, der am 1. Oktober als NÖ Landesschulratspräsident in Pension gegangen ist. Helm: „Ich befürchte, dass wieder nur Kosmetik betrieben wird.“

Helms Analyse: „Die Organisation des Schulsystems ist heillos überfordert. Bund und Länder sind sowohl für die Gesetzgebung als auch für die Vollziehung zuständig. Doppelgleisigkeiten in Schulorganisation, Schulaufsicht, Qualitätssicherung, Personalrecht und Vollzug sind die Folge. Das heißt, das System ist nicht mehr so effizient, wie es sein sollte.“ Eine umfassende Neugestaltung des Bildungssystems ist deswegen für ihn unerlässlich. Helm: „Mit punktuellen Einzelmaßnahmen wird man in Zukunft keine besseren Ergebnisse erzielen.“ Daher brauche es eine neue Schulsteuerung. Wobei für ihn drei Eckpunkte entscheidend sind:

Die Eckpunkte einer neuen Schulsteuerung

1. Eine Deregulierung durch Schulautonomie. Dabei sollen schulautonome Schwerpunktsetzungen bzw. Abweichungen vom Lehrplan – zumindest bis zu 25 Prozent – erlaubt sein. Schulautonom müsse man auch die Anordnung der Unterrichtszeit, die Gestaltung des Tagesablaufes, flexible Klasseneinteilungen. Konkret sollten die 50-Minuten-Einheit sowie die zentrale Vorgabe der Pausenregelung fallen. Und kein Unterrichtsbeginn vor 8.30 Uhr.

Unter diese Deregulierung würde auch noch fallen, dass der Schulleiter beim Personal Entscheidungskompetenz hat – über Auswahl, Entlassung oder auch Fortbildung. Und dass er natürlich auch die Verantwortung trägt. Und bei den Finanzen sollten Schulleiter frei über die Ressourcen verfügen und eine Drittmittelbeschaffung ermöglicht werden.

2. Eine einheitliche zentrale Gesetzgebung durch den Bund, wodurch die Ausführungsgesetzgebung durch die Länder fallen würde. Dazu gehören ein einheitliches Dienst- und Besoldungsrecht, Lehrpläne, Standards. Und natürlich eine einheitliche Qualitätssicherung.

3. Dezentralisierung durch Schaffung von Bildungsdirektionen in jedem Bundesland. Dort sollen die Aufgaben der regionalen Standortplanung, der Personalbewirtschaftung und der Schulerhaltung gebündelt sein. Sie sind Servicestationen und begleiten die autonomen Schulen. Dadurch erfolge eine klare Trennung von Gesetzgebung (Bund) und Vollziehung (Länder).

Natürlich müssten Rahmenbedingungen bis hin zur Bundesverfassung geändert werden. Helm: „Diese Vorschläge können ihre volle Wirkung nur entfalten, wenn sie als Gesamtpaket umgesetzt werden. Also keine Micky-Maus-Reform.“