Erstellt am 18. Oktober 2016, 02:44

von Martin Gebhart

Was zählt die Neue Mittelschule?. Landesschulratspräsident Johann Heuras will Neue Mittelschulen mit AHS-Unterstufen in einigen Testregionen besser vernetzen.

Symbolbild

„Wir müssen den Leuten klar machen, was die Neuen Mittelschulen sind, wofür sie stehen.“ Landesschulratspräsident Johann Heuras will die Niederösterreich-Woche der Neuen Mittelschulen (NMS), die noch bis Freitag läuft, dazu nutzen, diesem Schultyp neuen Schwung zu verpassen.

Heuras: „Es geht darum, das Image zu stärken, weil die Neue Mittelschule unter ihrem Wert geschlagen wird.“ Gleichzeitig will er in ausgewählten Regionen die NMS besser mit den Gymnasien, den Unterstufen der allgemeinbildenden höheren Schulen (AHS) vernetzen. „Man sieht sich zu stark als Konkurrenz“, so der Präsident.

In den vergangenen Jahren waren die Hauptschulen mit rasantem Tempo in Neue Mittelschulen umgewandelt worden. Vielfach zu schnell, vielfach zu wenig fundiert.

Dann folgte unter der damaligen SPÖ-Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek ein vernichtender Rechnungshofbericht über diese Schulreform, und schon war der anfängliche Kredit verspielt. Auch weil in manchen Schulen das angepriesene Team Teaching – zwei Pädagogen in einer Klasse – nicht richtig funktionierte.

„Man muss dem System einfach viel mehr Wertschätzung geben.“

Landesschulratspräsident Johann Heuras

Dagegen will Heuras ankämpfen: „Mit der Woche der Mittelschulen wollen wir zeigen, welch großartige pädagogische und schulische Arbeit in unseren Neuen Mittelschulen in Niederösterreich geleistet wird und mit welch großem Engagement die Pädagoginnen und Pädagogen tagtäglich arbeiten.“ Immerhin würden rund 50 Prozent der Maturanten über den NMS-Bildungsweg kommen.

Genauso sieht es VP-Bildungslandesrätin Barbara Schwarz: „Gerade die Neue Mittelschule, auch wenn sie vom Bund überschnell und ohne Evaluierung ausgerollt wurde, kann beste Voraussetzungen für individuelle Stärkenentwicklung und Berufsorientierung bieten. Die NMS ist noch eine relativ neue Schulform und der Umgang mit den neuen Unterrichtsformen muss erst verinnerlicht werden. Hilfreich wäre hierbei auch eine gezielte Stärkung der Schulautonomie.“

Gemeinsame Ziele von NMS und AHS

Die angesagte Vernetzung von NMS und AHS in den Regionen ist für Heuras wichtig, damit die Schüler dort die richtige Wahl treffen. „Die NMS sind die Unterstufe der Berufsbildung, die AHS der Allgemeinbildung“, so Heuras.

Deswegen müsste die Zusammenarbeit intensiviert werden, damit die Schüler die richtige Wahl treffen und nicht sofort alle in die Gymnasien streben. Man sei keine Konkurrenz.

Im heurigen Schuljahr will er es in zumindest zwei Regionen probieren. Ein Ziel dabei: Es müsste leichter werden, zwischen den beiden Schultypen zu wechseln. Wobei natürlich auch die Volksschulen miteinbezogen werden müssten, wenn es um die Aufnahme der Schüler geht.

Landesschulratspräsident Johann Heuras.  |  NÖN, Hudler

Vielleicht kommt das auch mit dem Bildungspaket, das SPÖ-Bildungsministerin Sonja Hammerschmid diese Woche im Ministerrat eingebracht hat. Darin enthalten: mehr Schulautonomie, Schulverbünde in den einzelnen Regionen und Ausbau der Ganztagsschulen. Ende des Jahres soll das Paket dann beschlussreif sein. Heuras ist noch skeptisch: „Mir fehlen die Vorschläge zur konkreten Umsetzung.“

Wer von Verbünden spreche, müsse letztlich auch die Schulsprengel abschaffen. Im heurigen Schuljahr würden diese neuen Ansätze ohnehin nicht greifen. Deswegen hat sich Präsident Heuras einen anderen Schwerpunkt vorgenommen: „Es gilt, die Stimmungslage für Schule und Bildung zu heben. Man muss dem System einfach viel mehr Wertschätzung geben.“