Erstellt am 25. November 2013, 23:59

„Das ist kurzsichtig!“. NÖN-Interview / Familienbischof Klaus Küng kritisiert scharf, dass Familienbeihilfe nun doch nicht erhöht wird. Fragebogen des Vatikans sieht er als Sensibilisierung für Thema Familie.

Bischof Klaus Küng: „Der neue Papst sucht nicht den Applaus der Medien.“ Rupprecht  |  NOEN
Von Martin Gebhart

NÖN: In der Diskussion um das Budgetloch und ein Sparpaket wurde sofort verkündet, dass das Versprechen, die Familienbeihilfe zu erhöhen, nicht eingehalten werden kann. Wie ist da Ihre Reaktion als Familienbischof?
Küng: Es hat mich wirklich sehr betroffen gemacht, dass im Hinblick auf die budgetären Schwierigkeiten als Erstes sofort diese Idee bekannt gemacht wurde, die versprochene Anhebung nicht durchzuführen. Gerade die Familienbeihilfe wurde seit 13 Jahren nicht erhöht. Auch die Kinderbetreuungsgelder nicht. Ich finde das ungerecht und eigentlich sehr kurzsichtig, denn auch für den Staat, für die Gesellschaft ist die Solidarität für die kommenden Generationen das Thema Nummer eins. Das nicht zu beachten, ist mir unverständlich.

Also das falsche Zeichen, wenn es um den Stellenwert der Familie in der Gesellschaft geht?
Küng: Es ist widersinnig, dass man alles tut, um junge Mütter möglichst schnell in den Arbeitsprozess zu integrieren, obwohl wir wissen, dass es für die Entwicklung der Kinder ganz wichtig ist, eine Beziehung zu den eigenen Eltern aufzubauen. Bei den Pensionen bewegt sich hingegen nichts. Da habe ich den Eindruck, dass die Akzente nicht mehr stimmen. Die Familie ist für eine nachhaltige Entwicklung der Gesellschaft grundlegend, sie ist nicht ersetzbar, und zwar die Familie auf der Grundlage zwischen Mann und Frau.

Gerade diese Grundlage wird jetzt in der katholischen Kirche diskutiert. Es gibt den Fragebogen aus dem Vatikan, wo auch andere Formen des Zusammenlebens klar angesprochen werden. Welchen Weg geht da die Kirche?
Küng: Der Fragebogen, der relativ kurzfristig gekommen ist und als Vorbereitung einer Bischofssynode gedacht ist, dient vor allem der Wahrnehmung einer Befindlichkeit. Es kann auch eine Sensibilisierung für das Anliegen Ehe und Familie bewirken. Ich glaube, es ist sehr wichtig, sich bewusst zu machen, dass die Kirche bezüglich Ehe und Familie eine riesige Aufgabe hat und haben wird. Es muss unsere konstante Bemühung sein, für die Familie auf der Grundlage der Ehe zwischen Mann und Frau einzutreten und zur Großzügigkeit in Bezug auf Kinder zu ermutigen. Wir müssen alles tun, damit die Familie gelingt. Das entspricht auch dem Wunsch der meisten jungen Menschen. Deswegen sind Ehevorbereitung und Ehe- und Familienbegleitung so wichtig.

Es ist kein Abweichen vom traditionellen Familienbild der Kirche?
Küng: Die Kirche wird immer ihrem Auftrag zu entsprechen haben, für die Familie, die Grundzelle der Gesellschaft und auch der Kirche, einzutreten. Dass die Ehe zwischen Mann und Frau Grundlage der Familie ist, gehört nach Auffassung der katholischen Kirche zur Schöpfungsordnung. Daher ist nicht vorstellbar, dass die Kirche plötzlich ein anderes Familienbild vertritt.

In diesem Fragebogen wird ein Thema angesprochen, das in der katholischen Kirche schon sehr lange und heftig diskutiert wird, der Umgang mit den geschiedenen Wiederverheirateten. Wie sehen Sie dieses Problem?
Küng: Es ist sicherlich eine ganz dringende Thematik und für Familien oft ein schmerzhaftes Problem. Wir sind schon seit langem dabei, alles Mögliche zu versuchen, um den Betroffenen beizustehen. Ich halte es für sehr wichtig, dass man die Thematik nicht auf die Frage des Kommunionempfanges beschränkt, sondern auch hier die Bedeutung sowohl der Unauflöslichkeit der Ehe wahrzunehmen als auch die der Eucharistie, die immer eine Hinführung ist, um der eigenen Berufung zu entsprechen. Ich hoffe, dass auch da die Synode eine weitere Verdeutlichung bei der Hilfestellung ist und vielleicht auch manch neue Wege entdeckt werden, die die Situation erleichtern. Ich erwarte mir aber nicht, dass die Kirche auf einmal ihre Grundprinzipien aufgeben wird. Man muss sich hüten, falsche Erwartungen zu wecken.

Die Frage des Kommunionempfangs ist aber jene, die vor allem die Priester in den Pfarren haben. Wird die angesprochene Gruppe zugelassen oder nicht. Was gibt die Kirche da vor?
Küng: Es ist sicher wichtig, dass alle die gleichen Kriterien anwenden und dass es nicht je nach Pfarrer eine unterschiedliche Praxis gibt. In diesem Zusammenhang ist zu hoffen, dass durch eine Synode eine weitere Klärung erfolgt. Allgemein halte ich für notwendig, dass nicht nur im Zusammenhang mit der persönlichen Situation in Bezug auf Familie – ob kirchlich verheiratet oder nicht, ob geschieden und allein lebend oder nicht, ob wiederverheiratet usw. –, sondern in Bezug auf das gesamte Verhalten die Voraussetzungen für einen fruchtbaren Kommunionempfang verdeutlicht werden. Bei jedem Gläubigen kann es Gründe geben, warum er oder sie manchmal, eine Zeit lang oder längere Zeit die Kommunion nicht empfängt. Das bedeutet nicht, dass man kein Christ ist oder große Probleme hat. Niemand darf über andere urteilen, wenn sie nicht zur Kommunion gehen. Das bedeutet ja auch nicht, dass sie nicht trotzdem bemüht sind und wieder zur Kommunion gehen werden, sobald die Voraussetzungen dafür gegeben sind.