Erstellt am 09. August 2016, 06:26

von Christine Haiderer

„Brauchen die Wahlärzte“. Neun Prozent der Versorgung in NÖ übernehmen Wahlärzte. Die Zustimmung für die Beibehaltung der Kostenerstattung überwiegt.

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Den Wahlarzt abschaffen? „Ich halte wenig davon“, reagierte ÖVP-Gesundheitssprecher Erwin Rasinger auf die Idee von SPÖ-Pedant Erwin Spindelberger, Rückerstattungen bei Wahlarztrechnungen zu streichen.

Ähnlich sehen es NÖ Gebietskrankenkasse und NÖ Ärztekammer. Immerhin: 4,3 Millionen Euro mehr würde es kosten, wenn die Patienten die gleichen Leistungen bei Kassenärzten in Anspruch nehmen. Außerdem: „Im Sinne der freien Arztwahl stehe ich hinter der Möglichkeit für Patienten, einen Wahlarzt aufzusuchen“, so NÖ-Gebietskrankenkassen-Obmann Gerhard Hutter. Für Wahlfreiheit hält Patientenanwalt Gerald Bachinger das aber nicht. Statt dessen würden die Patienten zum Wahlarzt gedrängt werden, weil sie dort subjektiv eine bessere medizinische Qualität erleben. Jene, die sich das nicht leisten könnten, erläuterte Bachinger im Ö1-Interview, würden in einen zweitklassigen, kassenärztlichen Bereich abgedrängt werden. Eine Aussage, die für Kritik unter Ärzten sorgte.

Gute Qualität, aber auch Probleme im System

NÖ-Ärztekammerpräsident Christoph Reisner: „Egal, in welche Ordination ein Patient geht, ob Kassen- oder Wahlarztordination, er wird dort nach den gleichen qualitativ hochwertigen Standards versorgt.“ Gemeint war jedoch nicht die Qualität der Ärzte, betont Bachinger, sondern die Rahmenbedingungen, die eine Zweiklassenmedizin fördern. „Es gibt Defizite im bestehenden System. Die Patienten flüchten aus dem System. Die Ärzte flüchten aus dem System“, so Bachinger, der die im Konsens mit Ärzten geplanten Primarversorgungszentren als Lösung sieht und gegen die Vermischung von privaten und öffentlichen Geldern ist.

Was Reisner von einer Abschaffung der Kostenrückerstattung hält? „Wirklich treffen würde es die Ärmsten.“ Die, die für den Wahlarzt sparen müssen, die es sich aber dennoch in bestimmten Fällen leisten. Warum? „Den Faktor Zeit gibt es im Kassensystem nicht.“ Und so gehen viele zum Wahlarzt, wenn sie etwas besprechen wollen, etwa für welche Art der Knie-Operation sie sich entscheiden sollen, beschreibt Reisner, der übrigens von einem Vielklassensystem spricht, weil ja auch die Bevölkerung vielschichtig ist.

Für die Beibehaltung von Wahlärzten sind auch NÖ-Zahnärztekammer-Präsident Hannes Gruber und Wahlzahnarztreferent Gustav Krischkovsky: „Es ist wichtig, dass es so erhalten bleibt, wie es ist.“

Wahlärzte in NÖ

Ärzte: Über 2.000 der niedergelassenen Ärzte in NÖ sind Wahlärzte, mehr als 1.300 Kassenärzte, wobei Letztere zunehmen. Zudem gibt es 476 Kassenzahnärzte und 123 Wahlzahnärzte in NÖ.
Rückerstattung: Wenn Patienten Wahlarztrechnungen einreichen, erhalten sie 80 Prozent des Vertragstarifs zurück.