Erstellt am 02. August 2016, 07:49

von Martin Gebhart

Die Jäger wehren sich. Bewirtschafter von umfriedeten Eigenjagden wollen nicht länger im Visier von Tierschützern stehen. Sie sehen das Gatter als Schutz für das Wild.

Die Sprecher der Interessensgruppe „Umfriedete Eigenjagden“ mit ihrem Memorandum: Johannes Seilern-Aspang, Karl Hasenöhrl und Michael Schmidtkunz.  |  NOEN, zVg

Jagdgatter sind in Niederösterreich ein Dauerthema. Einerseits, weil der „Verein gegen Tierfabriken“ (VgT) mit öffentlichen Aktionen dagegen Stimmung macht, andererseits, weil die NÖ Grünen wollen, dass sie der Landtag ganz verbietet. Jetzt allerdings sind erstmals Bewirtschafter solcher umfriedeten Eigenjagden an die Öffentlichkeit getreten, um sich dagegen zu wehren. Karl Hasenöhrl, Sprecher der Initiative: „Wir brechen unser Schweigen, weil die Anschuldigungen größtenteils auf fehlendem Wissen beruhen.“

Dabei hätte das Thema seit dem Vorjahr bereits erledigt sein sollen. Da wurde eine Novelle des NÖ Jagdgesetzes im Landtag beschlossen, die strenge Regeln für die Gatterbetreiber – in NÖ gibt es insgesamt 60, die 74 Gatter bewirtschaften – beinhaltet. Keine neuen Jagdgatter mehr, strenge Regeln für die derzeitigen Bewirtschafter. Michael Schmidtkunz aus dem Ybbstal war zwar nicht ganz einverstanden, wie diese Novelle zustande gekommen ist, aber „das Ergebnis kann sich sehen lassen“.

Was die Interessensgruppe auch in ihrem Memorandum und Leitbild für umfriedete Eigenjagden niedergeschrieben hat. Zitat: „Wesentliche nun im Leitbild vorliegende Werte, Normen und Prinzipien bauen auf der Grundlage der gesetzlichen Rahmenbedingungen des Landes NÖ auf.“ Die Novelle habe geholfen, die „schwarzen Schafe“ zu entfernen, so die Gruppe. Hasenöhrl: „Mit unserer Initiative distanzieren wir uns bewusst von solchen Personen.“

„In Öffentlichkeit nicht mehr angreifbar sein“

Die Interessengruppe jedenfalls sucht den Dialog, „weil wir in der Öffentlichkeit nicht mehr angreifbar sein wollen“, so Hasenöhrl. Man sieht die Gatter auch als Schutz für die Tierwelt, weil diese in dem umfriedeten Bereich Ruhe finden könne. Schmidtkunz: „Es muss auch Plätze geben, wo sich Tiere zurückziehen können.“ Man habe sich jedenfalls verpflichtet, die „ethischen Grundsätze“ der Jagd einzuhalten. Anton Starkl, Mitglied der Interessensgruppe: „Wir sind keine Spaßjagdgesellschaft.“

Kaum war die Interessensgruppe in der Vorwoche an die Öffentlichkeit getreten, kam die Kritik von VgT-Obmann Martin Balluch: Jagdgatter müssten ganz verboten werden, das sei ein „anachronistisches Konzept“. Woraufhin die Interessensgruppe das Gespräch anbot, falls es davor zu einer Deeskalation seitens des VgT komme.

Zum Thema

Von der Interessensgruppe wurde ein Memorandum und Leitbild verfasst. Darin geht es um den Umgang mit der Jagd innerhalb eines Gatters. Selbst definiert man sich als „Gruppe von engagierten Eigentümern bzw. Bewirtschaftern von umfriedeten Eigenjagdgebieten“.

Ziel der Gruppe ist die Versachlichung, Entemotionalisierung und Objektivierung der Diskussion rund um das Thema. Derzeit vertritt die Gruppe rund ein Viertel aller Bewirtschafter von umfriedeten Eigenjagden in NÖ. Unterzeichnet ist das Memorandum von zwölf Personen.